Ärzte Zeitung online, 10.10.2013
 

Nephrologischer Schlagabtausch II

Herbe Einbußen für die Phosphatrestriktion

In ihrem zweiten verbalen Schlagabtausch haben die Nephrologen auf ihrem Kongress die Phosphatrestriktion bei einer chronischen Nierenerkrankung beleuchtet: Das Verfahren muss ordentlich einstecken.

BERLIN. Leidet die Niere, steigt das Phosphat im Serum. Die Folge: Calciumphosphat, das sich in den Gefäßen einlagert, zu einer Verkalkung führt und das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse erhöht.

Nephrologen achten deswegen bei ihren Patienten mit einer chronischen Nierenerkrankung (CKD) auf die Phosphatspiegel. Spätestens im Rahmen der Dialyse stehen auch Phosphatbinder bereit.

Doch soll bereits schon vorher etwa diätetisch die Phosphatzufuhr reduziert werden? Beim nephrologischen Schlagabtausch stimmten zunächst 77,9 Prozent der Teilnehmer im Auditorium dafür.

Der Regenwurm und die Schildkröte

Dr. Kai-Michael Hahn aus Dortmund warb für die Restriktion. Für ihn bedeutet eine hohes Serumphosphat "immer eine höhere Gesamtmortalität".

Phosphat habe in den letzten zehn Jahren in der Nephrologie eine immer größere Bedeutung erlangt. "Unsere CKD-Patienten verkalken sehr früh."

Hahn verwies außerdem auf einen Teufelskreis: Denn wegen Niereninsuffizienz erhöhtes Phosphat könne die Nierenfunktion noch weiter beeinträchtigen. Auch würden hohe Phosphatspiegel die Wirkung von ACE-Hemmern aufheben.

Für Hahn gilt deswegen die möglichst frühe Reduktion als Ziel, etwa durch einen Wechsel der Phosphatquelle von tierischem auf pflanzliches Eiweiß und der Verzicht auf Lebensmittel mit Phosphatzusätzen.

Hahn bediente sich einer "Lektion" aus dem Tierreich: "Der Regenwurm hat eine hohe Phosphatkonzentration und lebt nur kurz. Die Schildkröte hat wenig Phosphat und lebt länger."

Eiweißarme Diät meiden

Sein Konterpart Professor Frank Strutz aus Wiesbaden verwies hingegen darauf, dass es zur Phosphatdiät "nur ganz wenige Untersuchungen" gebe.

Schlimmer noch: Strutz verwies auf eine Studie, in der Patienten ohne eine Reduktion der Phosphat-Zufuhr "das geringste Mortalitätsrisiko" hatten. Allerdings handelt es sich bei dieser Studie um eine Post-hoc-Analyse mit eingeschränkter Aussagekraft.

Strutz warnte sogar davor, im Rahmen einer Phosphatdiät die Proteinzufuhr generell zu drosseln, denn dadurch könnte das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse steigen. Er warb eher für das Gegenteil: "Je mehr Eiweiss zugeführt wird, desto besser für das Gesamtüberleben."

Sein Fazit: Eine eiweißarme Diät sollten die Kollegen in jedem Fall vermeiden. Vielmehr sollten sie darauf hinwirken, dass ihre Patienten auf Lebensmittel mit Phosphatzusätzen verzichten, etwa Softtrinks, vor allem aber Fastfood.

Eine diätetische Phosphatrestriktion betrachtet er "als generelle Empfehlung nicht tauglich".

Das Votum der Teilnehmer kippte nach dem Schlagabtausch denn auch: Nur noch 49,8 Prozent stimmten für die generelle Phosphatrestriktion bei chronischer Nierenerkrankung. (nös)

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