Ärzte Zeitung, 20.12.2004

Elektrokauter, Mikrowelle oder Laser bei Prostatahyperplasie

Verschiedene Op-Methoden, wenn Medikamente bei vergrößerter Prostata nicht mehr nutzen / Individuelle Beratung der Betroffenen ist wichtig

Früher war die Welt der Urologie noch in Ordnung: Wenn bei benigner Prostatahyperplasie (BPH) Arzneien nicht mehr halfen, wurde das Adenom offen oder transurethral entfernt oder eine Blasenhalsinzision gemacht. Punktum! Wenn heute operiert wird, kann dagegen koaguliert, vaporisiert, abladiert werden, sagt Dr. Helmut Haas, Urologe aus Heppenheim. "Die Patienten haben viel gelesen und fragen uns ein Loch in den Bauch!"

Von Thomas Meißner

Es ist wichtig und sinnvoll, Betroffene mit BPH über die verfügbaren Methoden aufzuklären. Nur so können Ärzte und Patienten entscheiden, welche Methode die jeweils am besten geeignete ist. Beim Urologen-Kongreß in Wiesbaden wurden verschiedene Op-Methoden kritisch unter die Lupe genommen, wie:

  • TURP (transurethrale Resektion der Prostata). Dabei wird elektrochirurgisch und endoskopisch die Prostata schrittweise verkleinert. Eine Unterform ist die TUIP, die transurethrale Inzision der Prostata, die bei einer kleinen Prostata und Blasenhalssklerose ausgeführt wird.
  • TUMT (transurethrale Mikrowellenthermotherapie). Hierbei wird die Mini-Mikrowelle durch die Harnröhre in die Prostata geschoben, wo eine radiäre Erhitzung zur Schrumpfung und Ablation von Drüsengewebe führt. Zugleich werden Nervenfasern verkocht, was die BPH-Symptome verbessern soll. Eine Narkose ist nicht nötig.
  • TUNA (transurethrale Nadelablation der Prostata). Minimal-invasiv werden bei dieser Technik Nadeln in die Prostata gestochen, danach wird Radiofrequenzenergie appliziert. Die Ablation erfolgt ebenfalls über eine Hitzewirkung.
  • Holmium-YAG-Laser. Die Resektion erfolgt endoskopisch wie bei der TURP, aber mit Licht einer spezifischen Wellenlänge.

Op-Methoden werden am Goldstandard TURP gemessen

Professor Herbert Leyh aus Garmisch-Partenkirchen ließ keinen Zweifel daran, daß sich andere Op-Methoden an den Ergebnissen der TURP bei der Verbesserung des Harnflusses, der Restharnbildung sowie der Rückbildung subjektiver Symptome messen lassen müssen. Spätkomplikationen bei TURP wie Belastungsinkontinenz oder Harnröhrenstrikturen seien seltener als oft angenommen. Allerdings ist bei bis zu einem Drittel der Männer mit Impotenz zu rechnen sowie sehr häufig mit retrograder Ejakulation. Die Blutungsgefahr sei abhängig vom notwendigen Ausmaß der Resektion, so Leyh.

Die TUMT (Mikrowelle) fristet in Deutschland ein Schattendasein. Erstens, weil die Kassen dafür nicht zahlen und zweitens, weil die Wartung der Geräte extrem teuer ist. In den USA ist die Methode verbreitet - zu Recht, wie Professor Klaus Höfner aus Oberhausen meint. Denn die Langzeitergebnisse über fünf Jahre seien mindestens so gut wie bei der TURP. Das gelte allerdings nicht bei obstruktiven Miktionsbeschwerden.

Die Angaben zu den Komplikationen schwanken stark. Vor allem muß fast immer zunächst mit einer passageren Verschlechterung der Symptome gerechnet werden, weil das Organ wegen der Erhitzung zunächst anschwillt, so daß der positive Effekt erst nach Wochen eintritt. Höfner ordnet das Verfahren deshalb bezüglich der Effektivität zwischen der TURP und medikamentösen Optionen (Finasterid, Dutasterid) ein.

Die TUNA schneidet im Direktvergleich etwas schlechter ab als die TURP. Professor Udo Engelmann aus Köln sagt Patienten, die nach Alternativen zur TURP fragen, daß mit TUNA objektive Parameter, also Stärke des Harnstrahls oder Restharnbildung, nur halb so gut gebessert werden. Bei 20 Prozent der Patienten sind erneute Eingriffe erforderlich. Engelmann: "Alle Freunde meines Vaters habe ich transurethral reseziert."

      Der Holmium-Laser wird auch bei Steinen und Strikturen angewandt.
   

"Der Holmium-Laser ist der neue Op-Goldstandard bei BPH", ist Professor Rainer Kuntz aus Berlin überzeugt. Der Lichtstrahl ermögliche ein äußerst exaktes und so gut wie blutungsfreies Schneiden, genauer: Verdampfen (Vaporisation). In angloamerikanischen Ländern gehen Patienten zum Teil schon am nächsten Tag nach Hause, und zwar ohne Dauerkatheter. Die resezierten Prostatateile werden zerkleinert und abgesaugt. So können auch große Prostatae entfernt werden.

Gerätekosten von bis zu 140 000 Euro dämpfen die Euphorie. Doch Kuntz hält den Holmium-Laser für eine "urologische Mehrzweckwaffe". Harnblasen-Steine können damit ebenso zerstört werden und Harnröhrenstrikturen lassen sich lösen.

FAZIT

Die verfügbaren Op-Methoden bei benigner Prostatahyperplasie unterscheiden sich unter anderem in ihrem Nebenwirkungsprofil. TUMT und TUNA sind zwar schonende Verfahren, reichen aber von den Ergebnissen nicht ganz an die TURP heran. Sie sind am ehesten für Patienten mit relativ geringen Symptomen oder für sexuell aktive Männer geeignet. Einzige Alternative zur TURP scheint der Holmium-Laser zu sein, der ein unblutiges und exaktes Operieren ermöglicht. Sein Nachteil sind die hohen Anschaffungskosten.

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