Apotheker plus, 05.11.2009

Ein Thema - Drei Meinungen

"Von dem Ansturm sind wir überrascht worden."

"Von dem Ansturm sind wir überrascht worden."

Günter Brands, Apotheker und Inhaber der Marien-Apotheke in Reken

Foto: privat

Auf jeden Fall sind Patienten, die an Neurodermitis leiden, durch den Fernsehbericht aufgeschreckt worden, darunter auch viele langjährige Kunden unserer Apotheke. Am nächsten Morgen haben sie dann bei uns nachgefragt oder wollten die Creme kaufen. Von dem Ansturm sind wir ziemlich überrascht worden. In den Beratungsgesprächen haben wir den Kunden angeboten, dass wir weitere Nachforschungen anstellen. Ich habe die Originalrezeptur ausfindig gemacht und beim NRF nachgefragt, ob es alternative Rezepturen gibt, da einige Bestandteile gar nicht oder nicht als Arzneibuchware verfügbar sind. Im Kollegenkreis haben wir uns ebenfalls ausgetauscht. Nach einigen Tagen erhielt ich von Kollegen Vitamin B12 und den Emulgator und konnte die Rezeptur so erstmals herstellen. Auf Kundenwunsch gebe ich die Creme zur eigenen Absicherung aber nicht ab, sondern nur auf ärztliche Verordnung. Hier in Reken ist das zurzeit bei zwei, drei Patienten der Fall.

Nach Rezepturen oder Präparaten aus teilweise doch recht dubiosen Quellen fragen uns Kunden mit Hautproblemen immer wieder. Aber zu vielen dieser angeblichen "Wundermittel" gibt es kaum Daten und Erfahrungen. So etwas abzugeben, halte ich für sehr bedenklich. Denn tritt die erhoffte Wirkung nicht ein, fällt das häufig auf die Apotheke zurück. Gerade in einer ländlichen Region mit vielen Stammkunden kann das gravierende Auswirkungen haben. Ich setze vielmehr auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten, stelle in Absprache mit ihnen die Rezepturen her und verweise die Kunden bei Fragen an sie.

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