Ärzte Zeitung, 09.03.2009

Darmkrebs: Plädoyer für Präventionspass

Darmkrebs: Plädoyer für Präventionspass

Einen Präventionspass für jeden Bürger und ein bundesweites Einladungsverfahren zur Vorsorgekoloskopie hat Professor Jürgen Riemann bei einer Veranstaltung der Stiftung LebensBlicke angeregt.

Von Ingeborg Bördlein

Die Darmkrebs-Früherkennung sollte verstärkt in die allgemeine Vorsorge eingebunden werden, sagte Riemann, der Vorsitzende der Stiftung LebensBlicke, in Ludwigshafen. Den Hausärzten komme "eine überragende Bedeutung" bei der Motivation für die Vorsorgekoloskopie zu, betonte der Initiator der Ludwigshafener Stiftung, die das Ziel hat, die Darmkrebssterblichkeit weiter zu senken.

Vorsorgekoloskopie für Männer schon ab 50

Darmkrebs: Plädoyer für Präventionspass

70 Prozent der Vorstufen und Karzinome, die bei der Vorsorgekoloskopie entdeckt werden, sind heute heilbar.

Foto: Klaro

Das Augenmerk sollte dabei verstärkt auf Risikogruppen gerichtet werden. Dazu zählt Riemann Menschen mit Darmkrebs in der Familie oder mit deutlichem Übergewicht sowie langjährige starke Raucher. Männer hätten generell ein größeres Darmkrebsrisiko, weshalb zu überlegen sei, ihnen die Vorsorgekoloskopie schon ab dem 50. Lebensjahr als Kassenleistung anzubieten.

Die Botschaft zur Vorsorge sei angekommen, jetzt gelte es, zu handeln, lautete der Appell zum Auftakt des diesjährigen Darmkrebsmonats: "Sag JA zur Vorsorge". Derzeit nehmen acht bis zehn Prozent der Menschen über 55 Jahre die Vorsorgekoloskopie in Anspruch. "Diese Rate ist steigerungsfähig", sagte Riemann, aber die Hausärzte allein könnten die Aufgabe der Motivierung nicht leisten. Er rief zu einer Bündelung der Kräfte auf, einem Zusammenschluss von Partnern aus der Politik, den Krankenkassen und den Betrieben.

Riemann wies darauf hin, dass derzeit jährlich 1000 Menschen weniger an Darmkrebs sterben als jeweils im Jahr zuvor. Das liege außer an besseren Therapien an der Aufklärung zur Früherkennung. Vor fünf Jahren wurden noch 70 Prozent aller Kolonkarzinome in einem nicht mehr kurativen Stadium diagnostiziert. Heute seien 70 Prozent der Patienten mit bei der Vorsorgekoloskopie entdeckten Vorstufen und Karzinomen heilbar. Eine weitere gute Botschaft lautet: Wer bei der Vorsorgekoloskopie keinen krankhaften Befund hat, kann davon ausgehen, mindestens die nächsten zehn Jahre keinen Darmkrebs zu bekommen.

Der Wunsch für die Zukunft: zuverlässige Tests

Die Darmkrebs-Früherkennung rechne sich auch wirtschaftlich, sagte Riemann. Die Therapiekosten eines Patienten mit Kolonkarzinom liegen pro sechs Monate bei 40 000 bis 50 000 Euro. Dieser Betrag summiere sich auf das Vierfache bei Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren bis zum Tod. Für die Zukunft wünsche er sich einfache, preiswerte Tests, die eine Koloskopie erst dann nötig machten, wenn schon ein Befund vorliegt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »

Bei der Gründung eines Ärztezentrums kann es zugehen wie bei "Dallas"

Neid und Missgunst haben schon manche Versuche torpediert, in der Provinz ein Ärztezentrum zu etablieren. Ärzte in Schleswig-Holstein berichten, wie man verhindert, dass Kirchturmdenken siegt. mehr »

Macht Kaffee impotent?

Kaffee werden günstige Effekte auf die Gesundheit nachgesagt. Eine Studie hat untersucht, was das belebende Getränk für Männer – und besonders deren Potenz – bedeutet. mehr »