Ärzte Zeitung online, 26.04.2017
 

Nebenschilddrüse

Positives Fazit drei Jahre nach Transplantation

2013 transplantierten Ärzte einer Patientin zwei Epithelkörperchen eines lebenden Fremdspenders. Drei Jahre später ist die Bilanz positiv.

REGENSBURG. 18. Juni 2013: Ärzte um Professor Ayman Agha, Uniklinik Regensburg (UKR), transplantieren zwei isolierte Nebenschilddrüsen eines lebenden Fremdspenders. Bei der 32-jährigen Empfängerin waren nach Schilddrüsen-Op und folgender Nebenschilddrüsen-Unterfunktion wiederholt lebensbedrohliche generalisierte Krampfanfälle aufgetreten (BMC Surgery 2016; 16:51). Diese wurden zunächst fälschlicherweise als Epilepsie eingestuft und behandelt.

Konservative Therapien, bei denen ja zur Behandlung einer Hypokalzämie Kalzium und Vitamin D gegeben werden, waren nicht oder nicht ausreichend erfolgreich. Die Ärzte hatten sich deshalb zur Transplantation entschieden. Durch einen 2,5 cm großen Schnitt am Hals wurden dem lebendem Spender zwei Nebenschilddrüsen entfernt und der Empfängerin am Unterarm reimplantiert, teilte das UKR zur Veröffentlichung der Kasuistik mit. Die Reimplantation am Unterarm sei risikoärmer als am Hals.

Drei Jahre nach der Op zieht das Chirurgen-Team eine positive Bilanz. Schon drei Wochen nach der weltweit erstmaligen Lebendspende-Transplantation von Nebenschilddrüsengewebe seien bei der Empfängerin Parathormon- und Kalziumspiegel deutlich gestiegen, Ab diesem Zeitpunkt konnte auf die zusätzliche Gabe von Kalzium und Vitamin D verzichtet werden, so das UKR. Auch drei Jahre nach der Transplantation benötige die Patientin kein zusätzliches Kalzium oder Vitamin D. Bei den regelmäßigen Kontrollen des Kalzium- und Parathormonspiegels liegen die Werte im Normbereich.

"Die Lebendspende-Autotransplantation von Nebenschilddrüsengewebe stellt für Patienten mit einer dauerhaften Nebenschilddrüsenunterfunktion einen guten chirurgischen Therapieansatz dar – insbesondere dann, wenn kein eigenes Nebenschilddrüsengewebe zur Autotransplantation vorliegt, die konservativen Maßnahmen versagen und der Patient bereit ist, sich einer Langzeit-Immunsuppressionstherapie zu unterziehen", so das Fazit Aghas. Wenn konservative Behandlungsmaßnahmen versagen, sind die chirurgischen Alternativen bei einer Nebenschilddrüsenunterfunktion sehr eingeschränkt: Nur die Autotransplantation von eigenem, in Kälte konserviertem Nebenschilddrüsengewebe ist etabliert. Die Transplantation von Nebenschilddrüsengewebe eines verstorbenen fremden Organspenders wurde zwar öfter versucht, ist aber nur in ganz wenigen Einzelfällen erfolgreich gewesen.

(eb)

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