Ärzte Zeitung, 27.07.2004

"Nur Zwillinge verstehen, was es heißt, Zwilling zu sein"

686 Zwillingspaare trafen sich beim 2. ratiopharm-Zwillingstreffen im Europa-Park Rust / Spannende Geschichten von Menschen, die eines eint

Lernten sich erst mit 12 kennen: Markus Bobak und Matthias Gantert. Fotos: ratiopharm Zu Deutschlands größtem Zwillingstreffen im Europa-Park Rust kamen auf Einladung des Ulmer Arzneimittel-Herstellers ratiopharm Zwillinge aus der ganzen Republik: kleine und große, junge und alte.

Von Pete Smith

Akrobatische Höchstleistungen vollführten diese Schwestern beim ratiopharm-Zwillingstreffen und ernteten viel Applaus.

"Wir sind zwar zwei, aber es ist so, als ob es nur eine Person wäre", sagt Patrizia De Giacomo, und ihre Zwillingsschwester Fabiola nickt. Die 24jährigen aus Gottmadingen am Bodensee benötigen untereinander nicht viele Worte. "Wir müssen uns nur anschauen und wissen Bescheid", erklärt Fabiola.

"Man versteht sich eben blind", versucht Paul Hoepner einem Nicht-Zwilling klar zu machen, was es bedeutet, Zwilling zu sein. "Hansen ist weniger wie ein normaler Bruder, eher wie ein bester Freund für mich."

Die beiden 22jährigen aus Singen sind ebenso wie Patrizia und Fabiola der Einladung des Ulmer Arzneimittel-Herstellers ratiopharm zu Deutschlands größtem Zwillingstreffen gefolgt. Gemeinsam mit 684 weiteren Paaren - die ältesten sind 95 Jahre alt, die jüngsten vier Monate - vergnügen sie sich einen Tag lang im Europa-Park Rust und treffen dort zum Erfahrungsaustausch auf ihresgleichen (wir berichteten).

Die meisten Teilnehmer des 2. ratiopharm-Zwillingstreffens haben während ihrer Kindheit ähnliches erlebt - angefangen bei den Verwechslungen bis hin zu den Streichen, die sie anderen gespielt haben. "Jeder Blödsinn verdoppelt sich", faßt es Popstar Gracia in Worte, "undauch alles Schöne." Die durch die Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" bekannt gewordene Sängerin hat an diesem Tag ihre Zwillingsschwester Patrizia dabei - ihre "beste Freundin", die früher immer an ihrer Seite stand und deren Gesellschaft sie als Star heute oft schmerzlich vermißt.

Einige Zwillinge haben spannende Geschichten zu erzählen. Wie etwa Markus Bobak und Matthias Gantert: Nach ihrer Geburt werden die beiden von zwei verschiedenen Familien adoptiert. Als sie 12 sind, begegnen sie sich zufällig auf einem Sportfest. Sie staunen sich an und wissen weder daß sie einen Zwillingsbruder haben, noch daß sie ganze vier Kilometer voneinander entfernt aufgewachsen sind.

Da ihre Adoptiveltern ebenfalls ahnungslos sind, gehen die Jungs wieder auseinander und erfahren erst Jahre später von ihrem Schicksal: durch eine Frau, die sich an einen Zeitungsartikel von 1974 erinnert, in dem die erste Zwillingsgeburt des neu errichteten Krankenhauses in Donaueschingen verkündet wurde. Eine amtliche Bestätigung dafür, daß sie Zwillinge sind, haben die 30jährigen noch immer nicht. "Die brauchen wir jetzt auch nicht mehr", sagt Markus und grinst. "Das wissen wir auch so."

Angelika Mannhardt und Susanne Rupp aus Eschach bei Schwäbisch Gmünd arbeiten dort, wo die ratiopharm-Zwillinge Folke und Gyde immer auftreten: in einer Apotheke. Auch hier kommt es immer wieder zu Verwechslungen. Wenn die erste gerade Medikamente für einen Kunden holt und die zweite einen anderen Kunden bedient, protestieren schließlich beide, daß sie doch ganz andere Arzneien bestellt haben. In die Fußstapfen ihrer berühmten "Kolleginnen" aus dem Fernsehen möchten sie auf keinen Fall treten. "Wir sind schon in unserem Dorf die Show", stöhnt Susanne Rupp.

Es gäbe noch viele Geschichten zu erzählen - etwa die von dem Akrobatenpaar oder die von den Schönheitsköniginnen. Oder die von Familie Mayer, die vier Zwillingspaare in drei Generationen hervorgebracht hat. Und doch blieben am Ende Fragen offen. Wie sagte Fabiola: "Wirklich verstehen können nur Zwillinge, was es bedeutet, Zwilling zu sein."

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