Ärzte Zeitung, 12.12.2006

Annan: "Lage in Darfur ist eine Gefahr für die ganze Region"

UN-Generalsekretär schlägt Alarm / In der sudanesischen Krisenregion eskaliert die Gewalt / Fast eine Million Menschen von Hilfe abgeschnitten

NEW YORK (dpa). UN-Generalsekretär Kofi Annan hat angesichts der eskalierenden Gewalt in der westsudanesischen Krisenregion Darfur Alarm geschlagen. Der Konflikt habe auch Auswirkungen auf die Nachbarländer Tschad und Zentralafrikanische Republik, warnte Annan jetzt in einer Erklärung.

Anstehen für Hilfe in einer Zeltstadt im Süden Darfurs. Das Bild stammt aus der Ausstellung "Notaufnahmen" von "Ärzte ohne Grenzen". Foto: Ton Koene/MSF

Allein in den vergangenen sechs Wochen seien in Darfur und im Tschad "mehrere hundert" Zivilisten getötet worden, darunter Kinder, Frauen und alte Menschen. Mehr als 80 000 Menschen hätten ihre Heimat verlassen müssen.

Annan kündigte weitere Schritte zur Durchsetzung eines UN-Einsatzes in Darfur an. "Die internationale Gemeinschaft wollte nach Darfur gehen. Es waren die sudanesischen Behörden, die das abgeblockt haben, aber wir werden weiter auf sie Druck machen."

Derzeit sei ein Team vor Ort, um die mögliche Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Union (AU) auszuloten. Eine gemischte Truppe von AU und UN bleibe "extrem wichtig". Die Regierung von Präsident Omar Hassan al-Baschir lehnt den vom Sicherheitsrat beschlossenen Einsatz von UN-Blauhelmen in Darfur ab.

Annan kritisierte auch die zunehmende Behinderung von Hilfseinsätzen. Die eskalierende Gewalt schneide fast eine Million Menschen in Darfur von der lebensnotwendigen Versorgung mit Hilfsgütern ab. Im Tschad seien mehr als 300 000 Menschen betroffen. Beiderseits der Grenze gehörten Angriffe auf Helfer inzwischen zum Alltag, vielerorts hätten die Einsatzkräfte bereits zurückgezogen oder verlegt werden müssen. Insgesamt stehe die Versorgung von 4,3 Millionen Menschen auf dem Spiel.

Der UN-Generalsekretär appellierte "in schärfster Form" an alle Beteiligten, die Feindseligkeiten einzustellen und die Angriffe auf Zivilisten zu beenden. In Darfur sind seit den Kämpfen, die vor drei Jahren ausgebrochen waren, wohl mehr als 200 000 Menschen gestorben. 2,5 Millionen sind auf der Flucht.

Topics
Schlagworte
Panorama (31175)
Organisationen
Ärzte ohne Grenzen (440)
Personen
Kofi Annan (36)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Intensives Ausdauertraining bremst frühen Parkinson

Sport lohnt sich: Kommen Parkinsonkranke im frühen Stadium regelmäßig ins Schwitzen, bleiben ihre motorischen Fähigkeiten über mindestens ein halbes Jahr hinweg stabil. mehr »

Das erhöht die Organspendebereitschaft

Beauftragte an Kliniken für Transplantationen sollen von allen anderen Aufgaben entbunden werden – das verlangt die Deutsche Stiftung Organtransplantation. Neue Zahlen aus Bayern geben ihr Argumentationshilfe. mehr »

Krebsüberlebende nach Infarkt oft untertherapiert

Patienten mit Herzinfarkt, die eine Krebsdiagnose in ihrer Anamnese stehen haben, erhalten seltener eine leitliniengerechte Therapie. Das wirkt sich auch auf die Mortalität aus. mehr »