Ärzte Zeitung, 31.03.2010

Leben die Menschen in einer Hohlkugel?

Die Erde ist eine Hohlkugel - diese Theorie war im 20. Jahrhundert populär. Autor war ein US-Mediziner.

Von Pete Smith

FRANKFURT/MAIN. Die Erde ist eine hohle Kugel, ihre Bewohner leben auf deren Innenseite. Der Himmel ist ein Meer, und alle Planeten einschließlich Sonne kreisen im Inneren der Kugel. Urheber dieser Theorie, die im 20. Jahrhundert vor allem in Deutschland populär war, ist ausgerechnet ein Arzt.

Der US-Mediziner Cyrus Reed Teed (1839-1908) stammte aus der Nähe von New York. Während seiner Ausbildung wandte er sich alternativen Heilmethoden zu - der Homöopathie, der indianischen Kräutermedizin sowie anderen Therapieformen, die auf Magnetfelder und Stromstöße setzten. Bei einem seiner Experimente erlitt Reed einen Stromschlag. Er fiel in Ohnmacht und hatte eine Vision: Der Mensch lebt nicht auf der Oberfläche eines Planeten, sondern auf der Innenseite einer Hohlkugel. Die Wissenschaftler vor ihm haben allesamt einen entscheidenden Fehler gemacht - sie gingen davon aus, dass sich Lichtstrahlen geradlinig ausbreiten. Teed weiß es besser. Licht, so verrät ihm seine himmlische Erleuchtung, verläuft bogenförmig, die Vorstellung einer konvexen Erde ist ergo eine Illusion.

Teed, dessen Vision später als Innenwelt- oder Hohlwelttheorie in die Annalen der Wissenschaftsirrtümer eingehen wird, schart Jünger um sich, um sein Weltbild zu predigen. Er nennt sich fortan Koresh und tauft seine Glaubensgemeinschaft "Koreshan Unity". Zu besten Zeiten zählt er 4000 Gefolgsleute, die meisten Fundamentalisten wie er. Die Würdigung der Wissenschaftswelt, nach der er sehnt, bleibt ihm jedoch versagt.

Topics
Schlagworte
Panorama (33257)
Personen
Pete Smith (576)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »