Ärzte Zeitung, 25.10.2010

Quarantäne-Zonen sollen Haitis Hauptstadt vor Cholera schützen

Sauberes Wasser und Seife gegen die Cholera -  aber es fehlt auch weiter an Medizinern in Haiti.

BERLIN (dpa). Die Zahl der Cholera-Toten in Haiti ist auf mehr als 250 gestiegen. Doch die Hoffnung wächst, dass die Seuche gestoppt werden kann. Der Generaldirektor der Gesundheitsbehörde Haitis, Gabriel Thimote, sagte, die Zahl der Toten steige, aber die Rate der Neuerkrankungen gehe zurück.

Quarantäne-Zonen sollen Haitis Hauptstadt vor Cholera schützen

Ein dehydrierter Mann wartet in Saint Marc auf seine Behandlung. Die UN spricht mittlerweile von einer erreichten Scheitelwelle bei den Neuerkrankungen.

© dpa

Etwa 3000 Krankheitsfälle seien bislang bekannt, meldete der Sender CNN unter Berufung auf das Gesundheitsministerium Haitis. Am Wochenende hatte die Krankheit die Hauptstadt Port-au-Prince erreicht, die Anfang des Jahres von einem verheerenden Erdbeben erschüttert wurde.

Die bislang registrierten Kranken hatten sich nicht in der Hauptstadt angesteckt, sondern stammten aus dem Department Artibonite 80 Kilometer nördlich von Port-au-Prince.

Noch könne die Hauptstadt sicher sein, zitierte CNN Imogen Wall, Sprecherin des Büros der Vereinten Nationen zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA). "Unser Reaktionssystem hat funktioniert, aber offenkundig ist das eine sehr besorgniserregende Entwicklung."

In Port-au-Prince werde daran gearbeitet, die sanitären Bedingungen zu verbessern und Quarantäne-Zonen einzurichten. Es fehle aber an medizinischem Personal.

Immer mehr Menschen würden in Kliniken behandelt, anstatt zu Hause zu bleiben. Behördenvertreter hofften deshalb, dass sie die Situation kontrollieren und es eher schaffen können, eine großflächige Ausbreitung der Seuche zu stoppen.

Die Gefahr ist aber noch nicht gebannt. "Hier leben Menschen auf engstem Raum zusammen - unter hygienischen Bedingungen, die nicht so sind, wie sie sein sollten", sagte Melanie Brooks, Sprecherin von CARE International.

"Die Menschen hier sind sehr anfällig für Infektionskrankheiten. Wenn das Port-au-Prince erreicht, wird befürchtet, dass es sich schnell verbreiten könnte." Hilfsorganisationen, die seit dem Erdbeben im Januar im Land präsent sind, verteilten Tabletten für die Wasserreinigung und Seife.

Nach Angaben des örtlichen Büros der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Sonntag werden zwölf Zentren für die Behandlung von Cholera aufgebaut. Augenzeugen sagten, dass es Menschen in den betroffenen Regionen an sauberem Wasser fehle.

Manche bettelten auf der Straße nach Getränken. "Ärzte ohne Grenzen" und weitere Hilfsorganisationen bauten medizinische Einrichtungen aus, um dem Ansturm von Patienten Herr zu werden.

Unklar bleibt, wie die Cholera auftreten konnte, die in Haiti seit Jahrzehnten nicht mehr verbreitet war - zumal derzeit viele internationale Organisationen im Land sind.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchester bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »