Ärzte Zeitung, 06.12.2012

Haus Balthasar

Eintauchen in die Welt eines Kinderhospizes

Der Tag der Offenen Tür im Haus Balthasar, dem Gewinner des Springer Medizin CharityAwards 2012, zog bis zu 1200 Besucher an. Sie erlebten das Kinderhospiz mit all ihren Sinnen.

Von Ilse Schlingensiepen

Eintauchen in die Welt eines Kinderhospizes

Besucher Werner Lüttecke testet das Wasserbett im Kinderhospiz. "Diese Einrichtung ist einzigartig", sagt er.

© Schlingensiepen

OLPE. Der Wintereinbruch konnte den Tag der offenen Tür im Haus Balthasar nicht beeinträchtigen. Zwischen 1000 und 1200 Besucher folgten der Einladung und kamen in das Kinder- und Jugendhospiz im sauerländischen Olpe.

Die Veranstaltung hat Tradition. Jedes Jahr am ersten Samstag im Dezember präsentiert sich die 1998 gegründete Einrichtung der interessierten Öffentlichkeit. Es kommen Nachbarn, Schulklassen, Kommunionsgruppen und vor allem Spender.

"Viele interessieren sich dafür, wo ihr Geld hingeht", sagt der Leiter des Hospizes Rüdiger Barth. Das Hospiz benötigt rund 1,2 Millionen Euro an Spenden im Jahr.

Auch Jugendliche zeigen Interesse

Barth freut sich, dass in diesem Jahr so viele Jugendliche und junge Erwachsene den Weg in die Maria-Theresia-Straße gefunden haben. "Das Thema Jugendhospiz scheint bei dieser Altersgruppe angekommen zu sein", sagt er.

Am Tag der offenen Tür können die Besucher das Kinder- und das Jugendhospiz in Augenschein nehmen und sich alles erklären lassen, was sie rund um die Hospizarbeit interessiert.

Die schwerstkranken Kinder und Jugendlichen sowie ihre Familien und Begleiter sind entweder zuhause oder in anderen Einrichtungen untergebracht. Ab Sonntag gehört Balthasar dann wieder ihnen.

Die Spender haben ein Recht darauf, sich selbst ein Bild zu machen, wohin ihr Geld geht, sagt Barth.

Die Besucher können die verschiedenen Wohn-, Gemeinschafts- und Therapieräume in Augenschein nehmen - oder den Bereich, in den sich Familien nach dem Tod eines Kindes zurückziehen können, um sich zu verabschieden.

Auch Filme und Vorträge über die Trauerarbeit mit Kindern oder die Kinderhospizarbeit stehen auf dem Programm. "Jeder Besucher geht so weit, wie er es ertragen kann", sagt Barth.

Hochbetrieb im "Snoezelen-Raum"

Balthasar hat Platz für acht Kinder und vier junge Menschen bis 27 Jahre und ihre Begleitung. "Wir haben immer 40 bis 50 Gäste", sagt Barth. 60 Menschen arbeiten fest im Hospiz, hinzu kommen 20 ehrenamtliche Mitarbeiter.

Viele freundliche Mitarbeiter stehen den Besuchern an diesem Samstag Rede und Antwort. Renate Braun etwa erläutert, was der "Snoezelen-Raum" zu bieten hat.

Hier werden alle Sinne angesprochen: durch ein unberuhigtes Wasserbett, Musik, Wassersäulen, Düfte und Lichteffekte. "Gerade im Winter ist hier Hochbetrieb", sagt sie. Die Familien, aber auch die Mitarbeiter haben hier die Möglichkeit, den Kindern ganz entspannt nah zu sein.

Die Krankenschwester ist seit acht Jahren bei Balthasar, vorher war sie im Krankenhaus auf einer Intensivstation tätig. "Die Arbeit hier unterscheidet sich vor allem dadurch, dass man Zeit für die Kinder hat", berichtet Braun.

Ein Begleiter der ersten Stunde

Auch Werner Lüttecke wagt sich aufs Wasserbett. Er hat im Jahr der Gründung des Kinderhospizes erstmals Geld gespendet. "Ich bin ein Begleiter der ersten Stunde. Es hat mich interessiert, was aus dem Hospiz wird", berichtet er.

An diesem Samstag ist Lüttecke bereits das vierte Mal aus Bad Berleburg nach Olpe gekommen. Er ist von dem Haus, der Atmosphäre und den Mitarbeitern beeindruckt. "Diese Einrichtung ist einzigartig."

Das kann auch Günter Lück aus Lüdenscheid unterschreiben. Ihn hat sein persönliches Schicksal mit dem Kinderhospiz in Verbindung gebracht. Lück hat einen 13-jährigen unehelichen Sohn. Er musste um das Besuchsrecht prozessieren, inzwischen ist der Kontakt zum Jungen wieder abgebrochen.

"Kinder sind das höchste Gut", sagt der sichtlich bewegte Lück. Er und seine Frau wollen das, was nach ihrem Tod übrig bleibt, dem Hospiz vermachen. Das Paar hatte sich bereits mehrere Einrichtungen angesehen. "Das Geld ist hier ohne Zweifel gut angelegt", sagt er.

Bunte Hand- und Fußabdrücke

Die meisten Besucher sind wie Lück beeindruckt von der angenehmen und freundlichen Atmosphäre im Haus. Doch auch an diesem besonderen Tag sind Sterben und Tod nicht aus dem Haus verbannt.

Überall sind Spuren der schwerstkranken und der inzwischen verstorbenen Kinder und Jugendlichen. Im Kinderhospiz erinnern bunte Hand- und Fußabdrücke an alle, die einmal hier waren, im Jugendhospiz eine Spirale mit allen Namen.

Im Garten des Hospizes stehen Windräder mit den Namen und den Sterbedaten der verstorbenen Kinder. "Es geht darum, Spuren und Erinnerungen festzuhalten", sagt Hospizleiter Barth.

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