Ärzte Zeitung online, 25.10.2016
 

Ärztin tötet Ehemann mit Morphium

Gericht hebt Berufsverbot auf

Die Dosis Morphium, die sie ihrem Mann gab, war tödlich. Nun darf die Ärztin zwar grundsätzlich wieder in ihrem Beruf arbeiten. Aber das Strafmaß ist auch im dritten Prozess empfindlich hoch.

AACHEN.  Eine 40-jährige Ärztin, die ihren deutlich älteren Ehemann mit einer Überdosis Morphium getötet hat, darf jetzt grundsätzlich doch wieder in ihrem Beruf arbeiten. Das Landgericht Aachen hob am Dienstag im dritten Prozess ein lebenslanges Berufsverbot auf.

Es sei nicht anzunehmen, dass sich eine solche Tat wiederholen werde, stellte das Gericht im dritten Prozess zu diesem Fall fest. Der Bundesgerichtshof hatte die beiden vorausgegangenen Urteile aufgehoben. Die Aachener Richter mussten nun das zuvor verhängte lebenslange Berufsverbot und das Strafmaß wegen Totschlags prüfen - die Schuld der Frau war nicht mehr strittig.

Die Hoffnung auf ein deutlich geringeres Strafmaß erfüllte sich für sie aber nicht. Mit sieben Jahren und acht Monaten Haft wegen Totschlags in einem minder schweren Fall blieben die Richter nur leicht unter dem vorherigen Strafmaß von acht Jahren. Die Verteidigung hatte eine Strafe von maximal sechs Jahren und sechs Monaten gefordert.

Die ungewöhnlich lange Untersuchungshaft von mehr als vier Jahren wird angerechnet. Die Frau, die zuletzt Haftverschonung genoss und auf freiem Fuß war, müsse aber noch sieben Monate Haft verbüßen, rechnete der Vorsitzende Richter Jürgen Beneking vor. Dann werde entschieden, ob der Rest der Strafe zur Bewährung ausgesetzt werde. Gegen das Urteil ist erneut Revision zugelassen...

Nach der unangefochtenen Feststellung des Landgerichts war es 2011 zum Streit zwischen der Ärztin und ihrem knapp 50 Jahre älteren Ehemann gekommen. Die Frau hatte ein Verhältnis mit einem jüngeren Mann begonnen und wollte eine Stelle als Ärztin in Süddeutschland annehmen. Als der Ehemann dafür sorgen wollte, dass sie ihre Berufszulassung verliert, tötete sie ihn mit einer Überdosis Morphium. Im ersten Prozess war sie wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden, im zweiten wegen Totschlags zu acht Jahren Haft.

Vor Gericht hatte die Frau betont, sie habe ihr ganzes Leben lang gekämpft. Sie war früher eine drogenanhängige Prostituierte, holte den Schulabschluss nach, studierte und wurde Ärztin. „Ich möchte wieder in der Gesellschaft ankommen“, sagte sie. Sie habe die Aussicht auf eine Stelle als Ärztin. (dpa)

Topics
Schlagworte
Panorama (31020)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

FDP-Chef gibt den "Bastafari" – Steinmeier gegen Neuwahlen

Die FDP ist aus den Jamaika-Gesprächen ausgestiegen. Bundespräsident Frank Walter Steinmeier erteilt schnellen Neuwahlen eine Absage. KBV-Chef Gassen fordert Tempo. mehr »

Mit Kohlenhydrat-Tagen die Insulinresistenz durchbrechen

Typ-2-Diabetiker mit schwerer Insulinresistenz können vom Prinzip einer hundert Jahre alten Haferkur profitieren. Erfahrungsgemäß sprechen 70 Prozent der Betroffenen darauf an. mehr »

Kliniken in Nordrhein sind Vorreiter beim E-Arztbrief

Der Klinikbetreiber Caritas Trägergesellschaft West zählt zu den Vorreitern des elektronischen Arztbriefes über KV-Connect. Viele Niedergelassene sind bereits angeschlossen. mehr »