Ärzte Zeitung online, 10.03.2017
 

Entwarnung nicht in Sicht

Vogelgrippe breitet sich weiter aus

Seit etwa vier Monaten grassiert die Vogelgrippe in Deutschland. Mittlerweile sind alle Bundesländer betroffen. Eine Entwarnung gibt es nicht.

GREIFSWALD/INSEL RIEMS. Rund vier Monate nach dem Ausbruch der Vogelgrippe breitet sich das Virus weiter aus. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems sieht keine Anzeichen für ein Abklingen der Seuche in Deutschland. Allein in den vergangenen sieben Tagen habe es bundesweit 60 positive Befunde bei Wildvögeln, sechs Ausbrüche in Geflügelbeständen sowie einen Vogelgrippefall in einem Tierpark gegeben, sagte eine Sprecherin des FLI, das Bundesinstitut für Tiergesundheit ist.

In Österreich schläferte der Wiener Tiergarten Schönbrunn alle Pelikane ein. Das Virus H5N8 war zunächst bei einem Tier festgestellt worden. Nach dem positiven Befund für die gesamte Gruppe wurden alle 21 Krauskopfpelikane getötet, teilte der Zoo am Freitag mit. Dadurch soll der restliche Tierbestand geschützt werden. Wie sich die Tiere genau angesteckt haben, blieb zunächst unklar. Vermutet wird eine Übertragung durch einen Wildvogel. Im niedersächsischen Kreis Cloppenburg sollen rund 19.000 Puter getötet werden, weil Verdacht auf Vogelgrippe besteht. Das teilte der Landkreis am Freitag mit.

Das Friedrich-Loeffler-Institut hält weiter an seiner Risikoeinschätzung vom 13. Februar fest, in der von einem hohen Eintragungsrisiko ausgegangen wird, und empfiehlt eine risikobasierte Stallpflicht.

Der nahende Frühling nährt allerdings Hoffnungen auf einen Rückzug der Seuche. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge wird das Virus bei höheren Temperaturen und Trockenheit schneller inaktiv. Auch eine stärkere UV-Strahlung begünstigt demnach die Inaktivierung des Vogelgrippe-Erregers in der Umwelt. Seit November 2016 breitet sich das hochansteckende Virus in Europa aus. Laut Europäischer Kommission sind bislang mehr als 16 EU-Staaten davon betroffen. In Deutschland wurden bislang mehr als eine Million Tiere gekeult. Das Virus ist für Vögel hochansteckend, für den Menschen gilt es als ungefährlich.(dpa)

[13.03.2017, 13:43:24]
Horst Grünwoldt 
Seuchen-Terminologie
Kann die Vogelgrippe oder ihr vermuteter Erreger "grassieren"? - - - Nein, die können beide nicht herumschwärmen!

Konnte die Vogelgrippe oder ihr fiktiver Erreger "ausbrechen"? - - - Nein, gewiß nicht! Eine Krankheit kann lediglich apparent und somit festgestellt werden!

Können Tierbestände durch massenhafte "Keulung" geschützt werden? - - - Nein, wenn Ansteckungsverdacht besteht, alleine durch hygienische Isolation ("Quarantäne"), gute Haltungs- und Ernährungs-Bedingungen und veterinärmedizinisch-klinische Beobachtung während der Inkubationszeit! (vergleiche auch die Vorgehensweise bei der humanen Influenza)

Kann sich irgend ein Virus "ausbreiten"? - - - Nein, überhaupt nicht, weil es kein kleines Tierchen ist, sondern ein lebloses Zellpartikel!

Kann ein solches Viruspartikel "aggressiv" sein? - - - Nein, natürlich nicht, weil es nicht angriffslustig ist!

Kann die "Hoch"-Kontagiosität", "Hoch"-Pathogenität und Virulenz eines vermeintlichen Krankheitserregers HxNy alleine mittels Zellkultur (zytopathogener Effekts) oder Reagenzglas-AKNeutralisations-Test bestimmt werden?- - - Nein, sondern mit letzter Sicherheit nur an den klinisch zu beobachtenden Krankheitsbildern, Morbiditäts- und Mortalitäts-Ziffern in einer isolierten Population der gleichen Art!
Das wird aber durch die sog. "vorsorglichen" Tötungen unmöglich gemacht!

Kann eine monatelange sog. Stallpflicht die Tiergesundheit fördern und vor Krankheit schützen? - - - Nein, abgeschirmt von den physisch und immunologisch abwehrstärkenden Umwelteinflüssen beim Auslauf im Freien, können im ungünstigen Stallklima erst opportunistische Keime pathogen wirken und zur "Sieche" führen!

Besteht in der Freilandhaltung eine erhöhte Ansteckungsgefahr für die Vogelgrippe? - - - Nein, solange nicht, wie das Nutz- und Ziergeflügel alleine im Stall gefüttert wird, um wildlebende Kommensalen fernzuhalten!

Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock
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