Ärzte Zeitung online, 19.06.2019

Wie fit ist die Kanzlerin?

Zitternde Merkel sorgt für Aufsehen

Ihr Zitteranfall beim Treffen mit dem neuen ukrainischen Präsidenten wirft Fragen zum Gesundheitszustand von Kanzlerin Angela Merkel auf. Ärzte schätzen den Vorfall ein.

Zitternde Merkel wohl der Hitze geschuldet

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj stehen vor dem Bundeskanzleramt, während die Nationalhymnen ertönen. Kurz darauf beginnt die Kanzlerin plötzlich an, zu zittern.

© Wolfgang Kumm / dpa

BERLIN. Das Stehvermögen von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist fast schon sprichwörtlich. Nun wirft eine dramatisch wirkende Sequenz beim Antrittsbesuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Dienstag Fragen über Merkels Gesundheit auf.

Es war eine ungewöhnliche Szene, die Bilder wirkten ziemlich dramatisch. Angela Merkel stand links neben Wolodymyr Selenskyj auf einem mit rotem Stoff bezogenen Podest, die ukrainische Nationalhymne war gerade zur Begrüßung des neuen Präsidenten verklungen. Als die ersten Töne der deutschen Nationalhymne zu hören waren, begann die Kanzlerin zu zittern. Ein paar Sekunden später schlotterte ihr ganzer Körper.

Die Kanzlerin presste die Lippen zusammen, unbedingt bemüht, das Zittern zu unterdrücken und Haltung zu bewahren. Es waren Temperaturen um die 30 Grad im Schatten. Merkel und Selenskyj standen in der gleißenden Sonne, da dürfte es noch um etliches wärmer gewesen sein.

Kurz danach wirkte es, als sei nichts gewesen

Dann war die Nationalhymne vorüber und der Spuk vorbei: Merkel und Selenskyj schritten die Ehrenformation des Bundeswehr-Wachbataillons ab. Bei Merkel wirkte es, als sei nichts gewesen. Die Kanzlerin und der Präsident liefen teils eng nebeneinander.

Rund eine Stunde später traten Merkel und Selenskyj vor die Presse. Auf die Reporterfrage, ob sich die Bürger Gedanken über ihren Gesundheitszustand machen müssten, gab sich die Kanzlerin entspannt.

„Ich habe inzwischen mindestens drei Gläser Wasser getrunken, das hat offensichtlich gefehlt. Und insofern geht es mir sehr gut“, versuchte Merkel die Öffentlichkeit zu beruhigen. Auch Selenskyj beschwichtigte: „Was Frau Merkel anbelangt, so stand ich neben ihr. Und glauben Sie mir: Sie war in voller Sicherheit“, übersetzte die Dolmetscherin.

Merkels Zitteranfall: Ein Video des Stern

Ärzte: Es war wohl die Hitze

Aus medizinischer Sicht ist das ungewöhnliche Zittern von Merkel an sich nicht alarmierend. Mehrere Ärzte sehen keinen Hinweis auf ein ernsteres medizinisches Problem der Kanzlerin.

Es sei nicht unplausibel, dass Merkels Zittern auf einen Flüssigkeitsmangel zurückgeführt werden könne, sagte Dr. Alexander Schultze, stellvertretender Leiter der Notaufnahme am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf der dpa.

Ein Flüssigkeitsmangel sei bei diesem Wetter nicht untypisch. Die Information, dass es der Kanzlerin nach drei Gläsern Wasser wieder besser ging, könne durchaus ein Hinweis darauf sein, dass es sich um ein kurzzeitiges Kreislaufproblem gehandelt habe, so Schultze.

Wassermangel in der Hitze

Auch der Allgemeinmediziner Dr. Jakob Berger, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes, sieht in dem Vorfall noch keinen Grund zur Beunruhigung. „Gewundert habe ich mich schon“, sagte er „Focus Online“. „Aber eher, weil Frau Merkel sonst immer so stabil wirkt.“

Dass hinter dem starken Zittern eine ernsthafte Krankheit stecken könnte, schloss er aus: „Dafür war es zu kurz.“ Berger ergänzte: „Sie konnte ja schon direkt nach der Nationalhymne ganz normal mit dem ukrainischen Präsidenten weiterlaufen.“

Ein Wassermangel hält auch Berger angesichts der Hitze in Berlin für die wahrscheinlichste Ursache. „Und eine Frau wie Angela Merkel hat zusätzlich sicherlich einen eher stressigen Lebenswandel.“ Das begünstige einen Elektolyt-Verlust im Körper. Und der könne wiederum zu unkontrollierten Zuckungen und Zittern führen. (dpa/ths)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

„Wir müssen die Hamsterräder anhalten“

Es gibt in Deutschland ausreichend Ärzte, findet Professor Ferdinand Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Uni in Frankfurt. Welche Kernprobleme er sieht und wie die Versorgung verbessert werden kann, verrät er im Interview mit der "Ärzte Zeitung". mehr »

Thermometer aus der Blase gezogen

Mitunter verschwinden Gegenstände versehentlich in der Blase, manche stecken sich bewusst Besenstiele oder Fische ins Organ. Urologen konnten nun ein Thermometer über die Harnröhre eines Mannes entfernen – ganz ohne Op. mehr »

Wichtige Impfungen für Mekka-Pilger

Weit über 10.000 Bundesbürger nehmen jedes Jahr an der Pilgerfahrt nach Mekka teil. Ärzte sollten bei diesen Patienten speziell auf den Impfschutz achten. mehr »