Ärzte Zeitung, 06.09.2013
 

Kommentar zum Fukushima-Desaster

Wissenschaft am Zuge

Von Matthias Wallenfels

Seit der unsäglichen Natur- und Atomkatastrophe von Fukushima, als am 11. März 2011 Erdbeben und Tsunami große Teile des Nordosten Japans dem Erdboden gleichmachten und zur Havarie des Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi führten, warnen die atomkritischen Ärzte des IPPNW vor einer strahlenbedingten Häufung von Krebsfällen in der Region. 130.000 potenzielle Strahlenopfer, lautete vor knapp zweieinhalb Jahren die Erstprognose.

Gerne verweist IPPNW dabei von Anbeginn der Katastrophe in Japan an auf die Erfahrungen aus dem Atom-GAU im ukrainischen Tschernobyl 25 Jahre zuvor.

Nun verweisen die Ärzte auf das Ergebnis erster, noch nicht abgeschlossener Reihenuntersuchungen von Kindern unter 18 Jahren in der Präfektur Fukushima. Diese wiesen erhöhte Schilddrüsenkrebsraten auf, heißt es.

Die 300 Tonnen kontaminierten Wassers, die seit mehr als zwei Jahren täglich von der Atomruine in den Pazifik fließen, verschaffen den IPPNW-Aussagen zumindest in den Medien leichter Gehör als in Zeiten ohne solche Skandale.

Doch sollten jetzt möglichst schnell solide Fakten auf den Tisch gelegt werden. Die wissenschaftlich objektive Aufarbeitung des Strahlenrisikos ist wichtig.

Doch die Opfer können nicht lange warten.

Lesen Sie dazu auch:
Flickschusterei in Fukushima: Irrer Kampf gegen das radioaktive Wasser
Nach Reaktorkatastrophe in Fukushima: Erste Beweise für mehr Krebs?
Kommentar zum Fukushima-Desaster: Wissenschaft am Zuge

[08.09.2013, 07:57:08]
Dr. Andreas Dieckmann 
Der Kopf im Sand
Nichts mehr muss wissenschaftlich nachgewiesen werden! Die Schädigung durch Strahlung ist seit Jahrzehnten bekannt. Auswirkungen auf die Schilddrüse müssen nicht mehr nachgewiesen werden. Jedem Opfer ist zu helfen. Und wenn dabei jemand Hilfe bekommt der auch ohne die Katastrophe einen Schilddrüsenkrebs erlitten hätte, was wäre daran so schlimm? zum Beitrag »

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