Ärztliche Allgemeine, 02.08.2004

Die Reisediarrhoe erwischt die meisten Fernreisenden

Die Reisediarrhoe erwischt zwei von drei Touristen während eines zweiwöchigen Urlaubs in den Tropen und Subtropen, hat eine große internationale Studie ergeben. Doch meist verläuft die Reisediarrhoe milde. Nur etwa ein Prozent der Patienten müssen ins Krankenhaus, und etwa 20 Prozent sind bettlägerig.

Eine thailändische Garküche. Wer vorsichtig ist, sollte ruhig die Landesküche probieren. Foto: dpa

Zur Prophylaxe wird Touristen gerne der bekannte Spruch "peel it, boil it, cook it, or forget it" - "schäl es, koch es, brat es oder vergiß es" mit auf die Reise gegeben. Doch die große Studie hat gezeigt, daß auch die wenigen Touristen, die sich streng an diese Regel halten, Diarrhoe bekommen können.

"Essen Sie nur, was gut aussieht und gut riecht!"

Dennoch sollte man jedem Tropenreisenden eine gute Hygiene ans Herz legen, schließlich kann man sich über kontaminierte Speisen oder Getränke auch Erreger anderer, schwerer Krankheiten zuziehen. Praktikabler ist aber eine modifizierte Regel: "Essen Sie nur, was gut aussieht, gut riecht und gut schmeckt!"

Bei einer unkomplizierten Reisediarrhoe reicht eine unspezifische symptomatische Therapie aus. Warnsymptome, die auf einen komplizierten Verlauf hinweisen, sollte man Reisenden erklären: Dazu gehören profuse Diarrhoen und/oder massives Erbrechen, Blut im Stuhl, hohes oder anhaltendes Fieber und ausgeprägte Allgemeinsymptome wie starke Dehydratation.

Dann sollte ein Arzt aufgesucht werden. Ansonsten reicht bei der unkomplizierten Reisediarrhoe oft der Ausgleich des Mineral- und Flüssigkeitsverlustes: Die Kranken sollten viel trinken und Salz zu sich nehmen. Bei hohem Elektrolytverlust sind Fertigpräparate sinnvoll, vor allem bei Kindern. Ist keines zur Hand, sollte man ein Getränk nach der WHO-Regel zubereiten: acht Teelöffel Zucker und ein gestrichener Teelöffel Kochsalz auf einen Liter abgekochtes Wasser oder Orangensaft.

Zur symptomatischen Therapie sind etwa Saccharomyces-Mittel geeignet. Ist schnelle Hilfe nötig, sollte zu Motilitätshemmern, etwa Loperamid-Präparaten, gegriffen werden. Diese Substanzen können aber eine Enteroinvasivität und Darmatonie begünstigen. Deshalb sollte Loperamid nicht länger als 48 Stunden genommen oder mit einem Chinolon kombiniert werden. Die Indikation zur ungezielten Initialtherapie mit Antibiotika ist umstritten. (ug)

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