Ärzte Zeitung, 19.03.2008

Island - Insel aus Feuer und Eis

Wasserfälle fließen bei starkem Wind nach oben - wo gibt‘s denn so etwas? In Island, der größten Vulkaninsel der Welt, die vieles zu bieten hat.

Island wurde und wird noch immer geformt durch Feuer und Eis. Island ist die größte Vulkaninsel der Welt. Mehr als 200 Vulkane gibt es dort, viele sind aktiv. Der erste Vulkanausbruch in diesem Jahrtausend geschah auf Island: Im Februar 2000 brach die Hekla aus (in Island sind Vulkane weiblich, wegen ihres Temperaments, so heißt es). Außerdem gibt es 25 Hochtemperaturgebiete mit bis zu 200 Grad heißen Schwefelquellen und Fumarolen, aus denen heißer Dampf herausschießt.

Island ist anders: Gletscher sind im Sommer schwarz durch Vulkanstaub, bei jedem Wetter wird im Freien gebadet, der Glaube an Elfen und Trolle ist lebendig, selbst wenn das viele Isländer nicht zugeben mögen. Sogar die Island-Pferde sind anders als andere Pferde, sie haben nämlich fünf statt drei Gangarten.

Der Namensgeber aller Geysire ist auf dieser Insel zuhause. Doch "Geysir", der für seine bis zu 60 Meter hohen Heißwasserfontänen weltberühmt war, will nicht mehr so recht. Fast 100 Jahre blieb er ganz ruhig. Seit einem Erdbeben im Juni 2000 rührt er sich aber ab und zu wieder. Gut, dass es gleich neben dem Großen Geysir noch den verlässlichen "Strokkur", das "Butterfässchen", gibt. Etwa alle zehn Minuten schießt hieraus 127 Grad heißes Wasser bis zu 20 Meter in die Höhe. Das viele heiße Wasser aus der Erde beschert Island billige Energie. Überall gibt es geothermische Kraftwerke. Auch für Fernwärme wird das heiße Wasser genutzt - selbst die Hauptstraße in Reykjavik mit ihren schicken Geschäften und trendigen Bars hat eine Bodenheizung.

Und noch etwas typisch Isländisches wird durch das heiße Wasser bedingt: die Freibadkultur. In Freibädern und auch in vielen Hotels gibt es so genannte "Hot Pots", kleine Becken mit heißem Wasser unter freiem Himmel. Manche Becken haben Wasserdüsen, ähnlich wie Whirlpools. Isländer feiern gern in diesen Hot Pots. Touristen ist sehr zu empfehlen, sich etwa nach einer langen Autofahrt oder einer Wanderung in den Hot Pots der Hotels zu entspannen.

Die zweite Naturgewalt, die Island geformt hat, ist das Eis. Wer genau hinschaut, erkennt das Wirken der Eiszeitgletscher in der aufregenden Landschaft Islands. Etwa elf Prozent der Insel sind noch immer vergletschert. Aber auch hier wie überall schmilzt das Eis. Das Gletscherwasser stürzt in spektakulären Wasserfällen donnernd in die Tiefe. Island wird alle, die reine Natur lieben, in seinen Bann ziehen.

Doch auch Kulturinteressierte kommen auf ihre Kosten. Das isländische Parlament ist das älteste, noch bestehende in der Welt. Im Jahr 930 kamen die Oberhäupter aller (damals nur 13) isländischen Familien zum ersten Mal an einem See zusammen, um das Leben auf der Insel zu ordnen - das war das erste Allthing, also das "Thing für alle". Jedes Jahr im Sommer fand danach ein Allthing statt. Später verlor das Allthing etwas an Bedeutung. Zu sehen ist im Thingvellir, dem Tal des Things, nicht viel von dieser Geschichte. Es liegt inmitten von eindrucksvollen, schwarzen Schluchten um einen hübschen See. Dennoch, wer heute im Thingvellir steht, kann sich der Atmosphäre, die dieser Ort ausstrahlt, nicht entziehen. Die Isländer selbst sind diesem Ort eng verbunden. Sie interessieren sich sehr für ihre Geschichte. Island ist schließlich das Land der Sagas. Und die sind noch immer lebendig. Die Isländer erzählen, singen und feiern gern - lebendig ist das Nachtleben in Reykjavik. Bei den Skandinaviern gelten die Isländer als ein Völkchen, das gern in den Tag hinein lebt. Es darf also nicht wundern, wenn Isländer an warmen und vor allem windstillen Sommertagen einfach alle Geschäfte schließen und aufs Land fahren - "sonnenfrei" nennt man das.

Ursula Armstrong

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