Ärzte Zeitung, 26.01.2009

Antibiotikum gegen Reise-Diarrhoe wirkt nur im Darm

Seit September ist in Deutschland ein neuartiges orales Breitspektrum-Antibiotikum zur Behandlung von Erwachsenen mit Reisediarrhoe zugelassen.

Von Tomas Jelinek

Bei dem Präparat handelt es sich um Rifaximin (Xifaxan®), ein halbsynthetisches Derivat von Rifamycin. Das Besondere an Rifaximin ist, dass es bei oraler Anwendung nur zu weniger als 1 Prozent resorbiert wird und somit nur lokal im Darm wirkt. Das Wirkspektrum umfasst die meisten nicht invasiven grampositiven, gramnegativen, aeroben und anaeroben Bakterien, die Darminfektionen verursachen können. Gegen invasive Erreger ist die Substanz nicht ausreichend wirksam, da sie nicht systemisch aufgenommen wird.

Bei einer multizentrischen Studie in mehreren mittelamerikanischen Ländern und in Kenia konnte die Dauer des Reisedurchfalls von durchschnittlich 60 Stunden mit Placebo auf etwa 33 Stunden mit Rifamixin signifikant verkürzt werden. (Am J Gastroenterol 98, 2003, 1073).

Da die Erreger von Darminfektionen regional unterschiedlich verteilt sind, kann die Wirksamkeit von Rifamixin je nach Reiseland variieren. Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen und Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut treten bei etwa 1 bis 2 Prozent der Anwender auf.

Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 600 mg (dreimal eine Filmtablette) bis maximal 800 mg (zweimal zwei Filmtabletten). Die Behandlungsdauer sollte drei Tage nicht überschreiten. Bei länger anhaltenden Durchfällen, Fieber oder Blutbeimengungen muss eine weitergehende Diagnostik vorgenommen werden. Über die Anwendung bei Kindern liegen bisher keine Erfahrungen vor.

Für die Prophylaxe der Reise- Diarrhoe ist Rifamixin in Deutschland bisher nicht zugelassen.

Infos zur Reisemedizin unter: www.crm.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hoffnung für Leukämiepatienten

In den USA steht die erste Gentherapie zur Behandlung von Krebskranken vor der Zulassung. Auch in Deutschland dürfte es nicht mehr allzu lange dauern, bis es so weit ist. mehr »

Kaugummi erkennt Infektionen im Mund

Ein neuer Kaugummi-Schnelltest soll künftig dabei helfen, bakterielle Entzündungen früh im Mund zu erkennen. Die Idee ist so einfach wie hilfreich: Durch Kauen erkennt der Patient selbst, ob es ein Problem gibt. mehr »

Zwangsbehandlung nur als letztes Mittel

Das Bundesverfassungsgericht setzt enge Vorgaben für die Behandlung von nicht einsichtsfähigen Patienten gegen ihren Willen. Die Richter fordern ein Gesetz, das die Voraussetzungen für eine Zwangsbehandlung klar benennt. mehr »