Ärzte Zeitung, 07.10.2004

"Laufen ist für mich Streßkompensation und Erholung"

Der Orthopäde Dr. Ludwig Weh aus Berchtesgaden ist beim Berlin-Marathon mitgelaufen / Vor dem Lauf steht monatelanges Training an

Trotz der widrigen Wetterbedingungen bei Nieselregen und nur zehn Grad hatten neulich über 28 000 Teilnehmer die 42,195 Marathon-Kilometer in Berlin in Angriff genommen - unter ihnen Dr. Ludwig Weh (58), Chefarzt der Orthopädie am Klinikum Berchtesgadener Land. Vorbei an Siegessäule, Reichstag, Fernsehturm und Brandenburger Tor bot Weh eine starke Leistung und verfehlte mit 3:25:42 Minuten nur knapp seine Bestzeit. Sollte ein Orthopäde nicht ein Hobby wählen, das mehr die Gelenke schont als ausgerechnet den Marathon? "Meine Gelenke sind gesund und topfit", sagte der Orthopäde im Gespräch mit Nicole Kromayer, einer Mitarbeiterin der "Ärzte Zeitung". Jeder, der gesund und genügend trainiert ist, könne Marathon laufen, sagt Weh und gibt einige seiner Lauf-Geheimnisse preis.

Ärzte Zeitung: Wie war’s beim Marathon? Zufrieden?

Dr. Ludwig Weh: Hochzufrieden. Die 42 Kilometer eines Marathons sind immer eine echte Herausforderung. Eigentlich wollte ich ja meine persönliche Bestzeit von 3:17:05 schlagen; aber eine Kiefer-Operation drei Tage vor dem Lauf und die daher nötigen Antibiotika und Antiphlogistika lähmten mich. Um Bestzeit zu laufen, muß einfach alles perfekt sein.

Ärzte Zeitung: Wie lange laufen Sie denn schon Marathon?

Weh: Ich habe vor sieben Jahren angefangen; inzwischen sind es schon 28 Marathons und zehn olympische Triathlons geworden.

Ärzte Zeitung: Wie bereiten Sie sich auf einen Marathon vor?

Weh: Trotz oder auch wegen meines anstrengenden Berufs packe ich fünfmal in der Woche meine Laufschuhe aus. Da kann es dann auch schon mal Mitternacht werden.

Der Marathon ist eines der größten sportlichen Ziele, die man sich setzen kann. Als Vorbereitung auf einen Marathon intensiviere ich mein wöchentliches Training vier Wochen vor dem großen Tag und laufe noch zusätzlich am Wochenende 20 bis 30 Kilometer. Ich achte dabei darauf, daß mein Puls bei 65 bis 80 Prozent meines Maximalpulses liegt. In der letzten Woche vor dem Marathon mache ich kein Ausdauertraining mehr, sondern sprinte nur noch kurze Strecken.

Natürlich ist auch eine hochwertige, ausgewogene Ernährung extrem wichtig. Drei Tage vor dem Marathon nehme ich allerdings fast ausschließlich Kohlenhydrate auf - die Speicher müssen proppenvoll sein.

Von zusätzlichen Vitaminen oder Elektrolytgetränken für Sportler halte ich persönlich nichts. Wissenschaftlich ist da auch gar nichts bewiesen. Es gibt keine einzige Untersuchung, die belegt, daß die zusätzliche Zufuhr von Vitaminen oder Elektrolyten für Sportler Vorteile bringt.

Ärzte Zeitung: Wie vereinbaren Sie das intensive Training mit Ihrer Arbeit?

Weh: Wie gesagt, Berchtesgaden ist auch bei Nacht schön. Aber mir macht das Laufen einfach riesigen Spaß. Und das ist auch einer meiner Tips: Es muß Spaß machen! Für mich bedeutet Laufen Streßkompensation, Abschalten, Erholung.

Ärzte Zeitung: Würden Sie Marathonlaufen auch Ihren Patienten empfehlen?

Weh: Jeder, der gesund und genügend trainiert ist, kann Marathon laufen. Internationale Studien, beispielsweise der Sporthochschule Köln, die Olympiasieger über Jahre beobachten und untersuchen, zeigen, daß Laufen keinerlei Schäden bei gesunden Menschen anrichten kann.

Meinen Patienten mit Gelenkbeschwerden rate ich aber natürlich eher zu moderaten Sportarten wie Fahrradfahren oder Nordic Walking.

Ärzte Zeitung: Manche behaupten "Schonung ist die beste Prävention für Gelenkprobleme". Sollte gerade ein Orthopäde nicht Hobby wählen, das mehr die Gelenke schont als der Marathon?

Weh: Meine Gelenke sind gesund und topfit. Außer Marathon laufe ich auch Triathlon, fahre Mountainbike, gehe Eisklettern, auf Skitouren und Paragliden... Die Aussage, Schonung sei die beste Prävention, ist Unsinn. Ausreichende Bewegung ist gerade bei Patienten mit Gelenkproblemen wichtig.

Ärzte Zeitung: Was können Hobby- und Profi-Sportler Ihrer Meinung nach tun, um Gelenkproblemen vorzubeugen?

Weh: Gute Lauf-Schuhe kaufen. Und ihre Gelenke schützen. Es gibt Substanzen, die chondroprotektiv wirken und so der Arthrose vorbeugen können. Ich selbst nehme das Kollagen-Hydrolysat CH-Alpha; eine Nahrungsergänzung, über die Untersuchungen belegen, daß sie die Kollagen-Synthese der Chondrozyten stimuliert. Die Laborexperimente, klinische Studien und vor allem meine persönliche Erfahrung mit Kollagen-Hydrolysat haben mich von der Wirksamkeit überzeugt. CH-Alpha empfehle ich allen, die ihre Gelenke stark beanspruchen, besondere Risiken aufweisen oder bereits Gelenkbeschwerden haben.

Ärzte Zeitung: Welche Tips können Sie Ihren Kollegen geben, die gerne Marathonlaufen möchten?

Weh: Erstens - das weiß aber auch jeder Kollege: Bevor man mit einem Marathontraining beginnt, unbedingt einen Gesundheits- und Fitneßcheck machen; Herz, Kreislauf, Bewegungsapparat und Muskulatur müssen den Belastungen gewachsen sein.

Zweitens: Um erfolgreich an einem Marathon teilzunehmen, ist monatelanges, zeitintensives Training notwendig. Man muß sich grundsätzlich fragen: Habe ich ausreichend Zeit fürs Training und den nötigen Ehrgeiz und die Disziplin, um durchzuhalten?

Ärzte Zeitung: Wann kommt Ihr nächster Marathon?

Weh: Dieses Jahr steht nur noch der Istanbul-Marathon auf dem Programm. Selbst im Urlaub muß ich laufen. Ich kann’s halt einfach nicht lassen...

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