Ärzte Zeitung, 11.02.2005

Experten empfehlen Herzscreening bei Athleten

Konsensus-Bericht der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie / Rate plötzlicher Herztode soll gesenkt werden

PADUA (ob). Im neuen Konsensus-Bericht einer Expertengruppe der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) wird empfohlen, bei allen jungen Leistungssportlern vor der Teilnahme an Wettkämpfen eine gründliche kardiovaskuläre Untersuchung vorzunehmen. Auf diese Weise hofft man, die Rate plötzlicher Herztode im Leistungssport deutlich senken zu können.

Viele Leistungssportler sind nie explizit auf kardiale Grunderkrankungen untersucht worden. Foto: dpa

Sportliche Aktivität stellt per se keine Bedrohung für das Leben dar. Im Zusammenhang mit unentdeckten kardialen Grunderkrankungen kann sie allerdings als Trigger einen plötzlichen Herztod herbeiführen.

Eine ESC-Studiengruppe unter Leitung von Dr. Domenico Corrado aus Padua hält es deshalb für gerechtfertigt und geboten, junge Athleten systematisch auf mögliche Herzerkrankungen zu untersuchen (Eur Heart J; Online-Vorveröffentlichung).

Im Unterschied zu den USA, wo die Familienanamnese und die körperliche Untersuchung als ausreichend erachtet werden, empfehlen die europäischen Experten das 12-Kanal-EKG als obligaten Test im Screening-Programm für Sportler. Denn damit läßt sich nach ihrer Ansicht vor allem eine bestehende hypertrophe Kardiomyopathie als häufigste Ursache für den plötzlichen Herztod bei jungen Leistungssportlern gut erkennen.

Das jetzt für alle europäischen Länder empfohlene kardiovaskuläre Screening bei Wettkampf-Athleten wird in Italien - entsprechend einer Forderung des Gesetzgebers - bereits seit 25 Jahren praktiziert. Nach den am Sportmedizinischen Zentrum in Padua bei fast 34 000 jungen Sportlern gemachten Erfahrungen erwiesen sich 1058 Sportler aus medizinischen Gründen als ungeeignet für den Leistungssport.

Bei 621 (1,8 Prozent) von ihnen waren kardiovaskuläre Veränderungen der ausschlaggebende Grund. Häufigste Veränderungen waren kardiale Rhythmus- und Erregungsleitungsstörungen, eine Hypertonie, Herzklappenerkrankungen und eine hypertrophe Kardiomyopathie.

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