Ärzte Zeitung, 17.12.2008

Doping: Ärzte wenden sich gegen B-Probe

Abschaffung erhöht die Rechtssicherheit, sagt die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention

FRANKFURT AM MAIN (ner). Führende Sportärzte aus Deutschland fordern die Abschaffung der B-Probe bei Dopingkontrollen. Dies erhöhe die Rechtssicherheit, ermögliche rasche Sanktionen und die Abschreckung würde verstärkt, so die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP).

Foto: Bayer AG

"Es gibt nur ‚da' oder ‚nicht da'", sagte Professor Jürgen Steinacker, Leiter der Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin am Universitätsklinikum Ulm bei der Jahrespressekonferenz der DGSP in Frankfurt am Main. Der Nachweis einer verbotenen Substanz durch ein anerkanntes Labor sei bereits der Beweis von Doping. Dagegen komme es nicht selten vor, dass in der B-Probe die Spuren von Hormonen bereits nicht mehr nachweisbar seien.

Steinacker wie auch DGSP-Präsident Professor Herbert Löllgen aus Bochum betonten, dass die B-Probe leicht manipuliert werden könne. Dazu brauche die Probe auf Initiative eines findigen Rechtsanwaltes des betroffenen Sportlers nur wochenlang quer über den Globus geschickt werden, etwa von einem Labor in den USA nach Tokio und zurück nach Köln wie im Fall einer zunächst positiv getesteten russischen Läuferin. Da der Transport ungekühlt erfolge, seien Peptidhormone in dieser Zeit abgebaut und nicht mehr nachweisbar. Nach internen Erkenntnissen seien etwa 15 Prozent der B-Proben-Ergebnisse nach Erythropoetin-Doping-Verdacht aus der A-Probe negativ, sagte Steinacker - eine Rate die in der Öffentlichkeit bislang so nicht bekannt war.

Anerkannte Labors könnten mit mehr als 99-prozentiger Sicherheit den Nachweis von Doping führen, ein Widerlegungsversuch durch ein anderes Labor sei unnötig, resümierte Steinacker. Das mindere nicht nur die Rechtssicherheit, sondern "erhöht nur die Honorare von Rechtsanwälten und Gutachtern", sagte der international anerkannte Experte. Die B-Probe erschwere es Sportgerichten, gute Urteile zu sprechen, zumal mit Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe erheblicher Druck auf die Beteiligten ausgeübt werde. Steinacker: "Das B-Proben-Prinzip richtet sich gegen die Kontrolleure!"

Viel wichtiger als eine B-Probe sei es, mehr Aufwand in die Logistik der A-Proben zu stecken, hieß es. So müsse eine lückenlose Kühlkette gewährleistet sein, um Kontrollen effizienter als derzeit zu machen. Ungerecht sei außerdem, dass manche Sportverbände mancher Länder kaum Trainingskontrollen organisierten.

Lesen Sie dazu auch:
B-Probe bei Dopingkontrollen überflüssig?

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