Ärzte Zeitung, 29.04.2008

Kinderbetreuung für Ärzte - Fehlanzeige

Umfrage des Ärztinnenbundes zeigt kaum Veränderungen in den vergangenen zweieinhalb Jahren

BERLIN (ami). Familiengerechte Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte fordert der Deutsche Ärztinnenbund (DÄB). Anders ist dem zunehmenden Ärztemangel in Praxen und Kliniken aus Sicht von DÄB-Präsidentin Dr. Astrid Bühren nicht beizukommen.

 Kinderbetreuung für Ärzte - Fehlanzeige

Gut lachen haben nur wenige Ärztinnen, die Familie und Beruf verbinden wollen.

Foto: imago

"Wir müssen die Arbeitssituation am Krankenbett und in der ambulanten Versorgung interessant machen", sagt Bühren. Andere Wirtschaftszweige würden zum Beispiel mit betriebseigener Kinderbetreuung voran gehen. "Das Gesundheitswesen tut sich dabei sehr schwer", so die DÄB-Präsidentin. Das belegt eine erneute Umfrage des Ärztinnenbunds zur Kinderbetreuung in Kliniken.

Bührens Angaben zufolge hat seit der Umfrage im Jahr 2005 nur ein Krankenhaus eine betriebseigene Kita neu eingerichtet. Die DÄB-Präsidentin wies darauf hin, dass familiengerechte Strukturen nicht nur für junge Frauen mit Kindern wichtig seien. "Die Themen, die bisher nur von Ärztinnen vertreten wurden, sind jetzt auch für die jungen männlichen Kollegen interessant", so Bühren. Eine "lebensphasengerechte Berufsgestaltung" gewinne auch mit Blick auf die steigende Zahl pflegebedürftiger Angehöriger an Bedeutung.

Die neuen Möglichkeiten der Berufsausübung, die mit dem Vertragsarztrechtsänderungsgesetz geschaffen wurden, begrüßt Bühren zwar. Sie hält die Änderungen jedoch für nicht ausreichend. Insbesondere kritisierte sie, dass eine Honorartätigkeit in der ambulanten Versorgung nach wie vor verboten sei. Dabei würden stundenweise Praxisvertretungen auf Honorarbasis häufig praktiziert. "Wir fordern, dass Ärztinnen und Ärzte aus dieser Illegalität herauskommen", so Bühren.

Neues Ungemach sieht sie mit der Kennzeichnungspflicht für Leistungen ab Juli kommen. Wenn jede Leistung mit der Arztnummer gekennzeichnet werden muss, könnten Arztehepaare mit kleinen Kindern die Notdienste nicht mehr flexibel handhaben, so Bührens Befürchtung. Zudem erneuerte die DÄB-Präsidentin die Forderung nach einer Anerkennung der Erziehungszeiten für die Rente bei den berufsständischen Versorgungswerken. "Diese Forderungen stellen wir nicht nur für Ärztinnen sondern auch für Ärzte", sagte Bühren.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Gute Bedingungen, gute Arbeitskräfte

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