Ärzte Zeitung, 28.04.2010

NRW-Justizministerin in den Schlagzeilen

In der Kritik: Gynäkologie im Justizvollzug

KÖLN (iss). In nordrhein-westfälischen Gefängnissen werden Schwangere offenbar nicht so versorgt, wie es medizinisch angemessen wäre. Hilfseinrichtungen, Ärzte, Psychologen und Hebammen werfen den Justizvollzugsbehörden vor, Inhaftierte direkt nach der Geburt von ihrem Kind zu trennen.

In NRW gibt es im geschlossenen Vollzug keine Mutter-Kind-Einrichtungen. Müssen Frauen nach der Entbindung im Gefängnis bleiben, werden die Säuglinge extern untergebracht. "Es kann doch nicht sein, dass wir Rooming-In und die Känguru-Methode praktizieren, um die frühe Eltern-Kind-Bindung zu stabilisieren, und dann trennen wir bei Häftlingen Säuglinge von der Mutter", sagt Dr. Gerd Eldering, Gynäkologe aus Bergisch Gladbach.

"NRW braucht eine Mutter-Kind-Einrichtung im geschlossenen Vollzug", fordert Eldering. Es sei nicht akzeptabel, dass Schwangere gefesselt und von Uniformierten begleitet zum Gynäkologen gebracht würden.

Kurz vor der Landtagswahl kommt Landesjustizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) der Justizskandal höchst ungelegen. Bereits im März war sie über die Probleme informiert worden und hatte angekündigt, dass sie die Situation Schwangerer und junger Mütter im Strafvollzug verbessern will. Aktuelle Berichte, Frauen hätten auch gefesselt entbinden müssen, weist das Ministerium zurück. Kein einziger solcher Fall sei bekannt.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Versorgung psychisch kranker Kinder ist ein Flickenteppich

Der Trend bei den psychischen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen ist stabil. Eine einheitliche Versorgungslandschaft besteht in Deutschland aber nach wie vor nicht. mehr »

„Mütter sind die zentralen Ansprechpartner“

In dieser Woche werben Urologen für die HPV-Impfung. Vor allem bei Jungen besteht Nachholbedarf. Wie können sie für eine Impfung gewonnen werden? mehr »

Mama leckt den Schnuller ab – kein Tabu

Botschaft einer neuen US-Studie: Das Ablutschen kann Vorteile fürs Immunsystem der Kinder haben. mehr »