Ärzte Zeitung, 04.05.2010

Lübecker beraten, was ihnen bei der Versorgung am Herzen liegt

Während Experten noch über Priorisierung streiten, handeln die Menschen in Lübeck: Sie legen in einem Bürgervotum fest, was ihnen in der medizinischen Versorgung wichtig ist.

Von Dirk Schnack

LÜBECK. Am siebten Mai startet in Lübeck die erste regionale Bürgerkonferenz zum Thema "Was ist uns wichtig in der medizinischen Versorgung - wie können wir über Prioritäten entscheiden?" Bis Juli treffen sich dazu regelmäßig 20 Bürger der Stadt, die mit Unterstützung von Experten - aber hinter verschlossenen Türen - über eine gerechte und sinnvolle Prioritätensetzung in der medizinischen Versorgung diskutieren. Ziel ist es, mögliche Prinzipien und Kriterien für eine Prioritätensetzung in der medizinischen Versorgung zu erarbeiten und zu diskutieren.

Zur Vorbereitung des Projekts hatte das Lübecker Institut für Sozialmedizin zufällig ausgewählte Menschen zu ihrer Einschätzung der aktuellen Gesundheitsversorgung befragt. Auch wurde nach Maßstäben für eine gerechte Verteilung der Mittel im Gesundheitswesen gefragt und erhoben, wer wichtige Entscheidungen im Gesundheitswesen treffen soll. Nach Meinung der Lübecker Bürger sind dies zuerst und mit großem Abstand Ärzte und danach Wissenschaftler und Krankenversicherungen. Über 80 Prozent der Befragten sind zudem der Meinung, dass auch Bürger an solchen wichtigen Entscheidungen im Gesundheitswesen beteiligt werden sollten.

Stellvertretend für diese Gruppe wird nun die Lübecker Bürgerkonferenz tagen und eine eigene Stellungnahme - das Bürgervotum - erarbeiten. Geplant wird die Bürgerkonferenz vom Institut für Sozialmedizin der Uni Lübeck unter Leitung von Professor Heiner Raspe. Für die Organisatoren ist die Beteiligung von Bürgern am öffentlichen Diskurs als die Betroffenen gesundheitspolitischer Entscheidungen ein wichtiges Anliegen. "Die Bürgerkonferenz soll die Forderung nach Bürgerbeteiligung auch an der Beratung komplexer gesundheitswissenschaftlicher und gesundheitspolitischer Fragen unterstreichen. Ich bin sicher, die Beratungen der Bürger werden intensiv und sorgfältig sein; sie werden zu neuen Erkenntnissen führen und die in Deutschland Not leidende Diskussion voranbringen", sagte Raspe.

Die Teilnehmer treffen sich an vier Wochenenden und arbeiten sich an drei Vorbereitungsterminen intensiv in die Thematik ein. Dabei erhalten sie Gelegenheit, unterschiedliche Experten zu befragen. Am ersten Juliwochenende werden sie ihre Ansichten und Empfehlungen im Bürgervotum schriftlich festhalten.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

O-Saft senkt das Gicht-Risiko - und hält schlank

Vom Saulus zum Paulus: Galten Fruchtsäfte einst als gesunde Getränke, verbannen heute sogar manche Schulen die süßen Säfte. Forscher brechen jetzt eine Lanze für Orangensaft. mehr »

Was tun gegen sexuelle Belästigung?

Anzügliche Bemerkungen, obszöne Witze, schlüpfrige Mails bis hin zu Berührungen: Sexuelle Aufdringlichkeit gehört auch in Praxen und Kliniken manchmal zum Alltag. Statt die Belästigungen zu ignorieren, sollten sich Betroffene wehren - dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. mehr »

Prä-Op-Leistungen - Und wer zahlt jetzt das Labor?

Wenn eine Leistung in der anderen enthalten ist, kann sie nicht gesondert abgerechnet werden. Diese Regelung greift unter anderem beim präoperativen Labor. Die Laborreform ändert daran nichts. mehr »