Ärzte Zeitung, 27.07.2010

Kommentar

Ans Bett gefesselt

Von Helmut Laschet

Der neue Krankenhaus-Report der Barmer GEK zeigt am Beispiel der psychiatrischen Erkrankungen, wie wenig zielführend allein eine sektorale Betrachtung von Krankheiten ist. Das Problem: Psychische und Verhaltensstörungen haben sich inzwischen von der Häufigkeit her auf die vorderen Plätze aller Krankheiten vorgeschoben. Im Unterschied zu anderen Krankheiten geht die stationäre Behandlung mit einer langen Hospitalisierung einher. Die Arbeitslast der Kliniken steigt, ebenso die Ausgabenbelastung für die Krankenkassen.

Auch aus der Perspektive der Patienten ist das Versorgungssystem fehlkonstruiert: Die Klinikbehandlung ist nur die Ultima Ratio, weil sich die Betroffenen dadurch stigmatisiert fühlen.

Völlig unterentwickelt sind dagegen in Deutschland niedrigschwellige ambulante Versorgungsstrukturen. Doch hier wirken immer noch die Budgetierung der Arzthonorare und vor allem die unzureichende Vergütung in der psychiatrischen Versorgung nach. Vereinzelte Modelle zeigen, dass eine intensivierte ambulante Versorgung zwar höhere Kosten für Ärzte und Arzneimittel verursachen, die aber letztlich durch rückläufige Hospitalisierung überkompensiert werden - zum Nutzen der Patienten.

Lesen Sie dazu auch:
Psychische Krankheiten belasten Kliniken und Kassen
Bald jeder Rentner mit Endoprothese?

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »