Ärzte Zeitung, 14.12.2010

Kommentar

Das Alter - dem Zufall überlassen

Von Helmut Laschet

Es ist kein schmeichelhaftes Zeugnis, das der Altenbericht der Bundesregierung den Institutionen des Gesundheitswesen ausstellt: Sie reagieren auf den demografischen Wandel zu langsam, zu wenig konsequent - die medizinischen und pflegerischen Herausforderungen des Alters bleiben dem Zufall überlassen, beispielsweise durch verdeckte, implizite Rationierung.

Sicher: die Wissenschaft hat in Teilen reagiert. Die Gerontologie liefert neue Erkenntnisse. Diese werden aber nicht als Querschnittswissen in andere Disziplinen der Medizin integriert. Partialoptimierung - siehe Nutzenbewertung - ist einfacher. Dabei gibt es zweifellos Fortschritte in der Ausbildung von Ärzten, auf der anderen Seite immer noch Unis ohne Allgemeinmedizin, Geriatrie, Rehabilitation und Sozialmedizin.

Und die medizinische Praxis? Es bleibt der Initiative des einzelnen Arztes überlassen, ob er neben seiner Berufstätigkeit spezifische Kenntnisse der Geriatrie, der Palliativmedizin oder der immer wichtiger werdenden Pharmakotherapie für alte Patienten erwirbt. Schließlich hat nicht jeder heute tätige Arzt von den neueren Inhalten des Studiums profitiert.

Lesen Sie dazu auch den Bericht:
Altenbericht: Schlechte Noten für Ärzte

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