Ärzte Zeitung, 03.05.2011

Mit Migranten für Migranten - Impf-Initiative gestartet

Viele Migranten haben kein ausreichendes Wissen über Impfungen, sie benötigen verständliche Informationen.

Von Christian Beneker

HANNOVER. Anlässlich der 6. Europäischen Impfwoche startet das Ethno-Medizinische Zentrum e.V. (EMZ) in Hannover eine mehrsprachige "MiMi-Impf-Initiative mit Migranten für Migranten in Deutschland". Ziel ist es, den Impfschutz von Migranten zu verbessern.

"Gerade Migranten benötigen verständliche Information und Aufmerksamkeit, denn viele von ihnen haben kein ausreichendes Wissen über mögliche und nötige Impfungen", so die Vorsitzende des Zentrums, Professorin Gisela Fischer.

Das EMZ hat einen Impfwegweiser in zehn Sprachen entworfen, der in Kürze zur Verfügung stehe, so das EMZ. Außerdem bietet das EMZ unter anderem Schulungen für Gesundheitsmediatoren, die als Schlüsselpersonen Impf-Kompetenz in den Migranten-Communities aufbauen sollen, sowie Informationsveranstaltungen oder Fortbildungen für Ärzte.

Migrantenkindern fehlt häufig wichtige Schutzimpfungen

Überdurchschnittlich viele Migranten in Deutschland seien von Infektionen und deren Folgekrankheiten (etwa chronische Hepatitis) betroffen, hieß es. Ursache sei hauptsächlich mangelnder Impfschutz.

Auch Kinder von Migranten wiesen oft Impflücken auf. Nur 40 Prozent von ihnen hätten vor der Einschulung alle wichtigen Schutzimpfungen erhalten.

Fischer: "Wir möchten Migranten darauf hinweisen, dass Impfungen in der Regel eine kostenfreie Kassenleistung sind. Besonders Migranten sollten vor geplanten Urlaubsreisen oder Reisen in die Heimat mindestens sechs Wochen vor der Abreise ihren Impfstatus im Hinblick auf ihr Reiseland überprüfen lassen."

Um europaweit arbeiten zu können, hat das EMZ die Online-Impf- Academy aufgebaut. Ramazan Salman, der Geschäftsführer des EMZ sagte bei der Vorstellung der Initiative in Ungarn: "Wir exportieren moderne und integrative Gesundheitskonzepte in unsere europäischen Nachbarländer."

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Warum bei Dicken das Hirn hungert

Das Gehirn von schlanken und fettleibigen Personen reagiert unterschiedlich auf Energiezufuhr, so eine Studie. Und: Es gibt dabei eine Parallele zwischen Übergewicht und Depression. mehr »

Ärzte kritisieren AfD-Anfrage im Bundestag

Ärzte beschuldigen die Fraktion "Alternative für Deutschland" (AfD), mit zwei gesundheitsbezogenen parlamentarischen Anfragen gezielt Stimmung gegen Migranten zu machen. mehr »

"Je härter der Knoten, desto höher die Krebs-Wahrscheinlichkeit"

Schilddrüsenknoten werden immer häufiger diagnostiziert. Warum das so ist, welche Untersuchungen zur Abklärung nötig sind und welche Methode immer bedeutender wird, erläutert der Endokrinologe Prof. Matthias Schott. mehr »