Ärzte Zeitung online, 24.12.2013
 

Zu viele Kaiserschnitte

NRW will runden Tisch Geburtshilfe

Weniger Kaiserschnitte und eine Aufwertung des Berufsbilds der Hebamme - NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens hat ehrgeizige Pläne.

KÖLN. Mit der Einrichtungen eines "Runden Tischs Geburtshilfe" will die nordrhein-westfälische Landesregierung die Zahl der Kaiserschnitt-Geburten senken und das Berufsbild der Hebamme stärken.

Die Beteiligten sollen sich zum ersten Mal im Frühjahr 2014 zusammensetzen und bis Ende 2015 einen abschließenden Bericht zum Thema vorlegen.

Die natürliche Geburt sei durch den Kaiserschnitt immer weiter verdrängt worden, sagt Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne). "Fast jedes dritte Kind erblickt in Nordrhein-Westfalen inzwischen per Operation das Licht der Welt."

Im bevölkerungsreichsten Bundesland kamen im Jahr 2012 insgesamt 145 000 Kinder auf die Welt, davon 32 Prozent per Kaiserschnitt. Im Jahr 2000 hatte der Anteil bei den 173 914 Geburten noch 22 Prozent betragen.

Der Runde Tisch soll den Ursachen für die Entwicklung auf den Grund gehen und Gegenkonzepte entwickeln.

In dem Gremium sollen neben Vertretern der Politik unter anderem die Berufsverbände der Hebammen, Geburtshäuser, die beiden Ärztekammern, die Frauenärzte, die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, die Kliniken, die gesetzlichen und privaten Krankenversicherer sowie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft mitwirken.

Ministerin Steffens verweist auf die große Bedeutung der Hebammen mit ihrem guten Zugang zu werdenden Müttern. "Hebammen tragen dazu bei, dass Frauen Schwangerschaft und Geburt als ganz natürliche Vorgänge erleben können", sagt sie.

Die Landesregierung sieht den Runden Tisch auch als Signal, um die besondere Bedeutung der Hebammen und der Entbindungspflege bei der Geburtsvorbereitung und der Begleitung junger Familien hervorzuheben.

Die Arbeit des Gremiums soll angesichts der sich verschlechternden Rahmenbedingungen wie der steigenden Haftpflichtprämien und der stagnierenden Vergütung mit dazu beitragen, dass die Hebammen ihre Aufgaben auch künftig wahrnehmen können. (iss)

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