Ärzte Zeitung online, 26.10.2016
 

Nordrhein-Westfalen

Krebsberatung

35 Prozent haben Brustkrebs

Krebsberatungsstellen werden am häufigsten von Brustkrebs-Patientinnen aufgesucht. Darmkrebs-Erkrankte sind unterrepräsentiert.

KÖLN. Wer eine Krebsberatungsstelle aufsucht, ist meist weiblich, häufig in der Altersgruppe zwischen 50 und 59 Jahren und befindet sich in der Therapiephase der Ersterkrankung. Zu diesen Ergebnissen kommt der erste Jahresbericht des "Qualitätsverbundes Krebsberatung NRW".

In diesem Verbund haben sich unter Federführung der Krebsgesellschaft Nordrhein-Westfalen sieben von derzeit 23 ambulanten psychosozialen Beratungsstellen im Land zusammengeschlossen. Sie wollen die Arbeit der Einrichtungen für die Öffentlichkeittransparent machen und ihre Qualität dokumentieren und weiterentwickeln.

Für den ersten Jahresbericht steuerten sechs der sieben beteiligten Beratungsstellen anonymisierte Daten bei. Sie berieten im Vorjahr fast 3800 Personen – zu 71 Prozent waren dies die Erkrankten selbst – und nahmen fast 7000 Beratungen vor. Dabei genügte rund der Hälfte der Ratsuchenden schon ein einziges Informationsgespräch.

Fast zwei Drittel durch Ärzte und Kliniken

60 Prozent der Ratsuchenden wurden durch Ärzte, Kliniken oder andere Versorger an die Beratungsstellen verwiesen. Die meisten Klienten bevorzugen das persönliche Gespräch in der Beratungsstelle, Telefonate machten nur etwa 20 Prozent der Kommunikation aus.

Mit 35 Prozent war Brustkrebs die bei weitem am häufigsten vertretene Diagnose in der ambulanten Krebsberatung. Es folgten Lungenkrebs mit zwölf Prozent sowie gastroenterologische Krebserkrankungen (ohne Darmkrebs) mit acht Prozent der vertretenen Diagnosen.

Darmkrebserkrankte waren mit nur sieben Prozent unterrepräsentiert im Vergleich zum tatsächlichen Auftreten von Neuerkrankungen in der Bevölkerung.

Der "Qualitätsverbund Krebsberatung NRW" hatte sich 2015 gegründet, um auf Grundlage eines elektronischen Dokumentationssystems einheitliche Qualitätsstandards für alle Einrichtungen umzusetzen. Dies sei eine wichtige Voraussetzung, um künftig eine Regelfinanzierung über die gesetzlichen Kostenträger zu erreichen.

Die Krebsgesellschaft hofft, dass sich künftig noch weitere der 23 Beratungsstellen im Land am Verbund beteiligen. Aktuell haben sich aber noch keine weiteren Einrichtungen zur Teilnahme entschieden, sagt Sprecherin Dinah Oelschläger. (kab)

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