Ärzte Zeitung, 01.06.2010

Arzneisparpaket: Rösler punktet bei den Ärzten

Von Helmut Laschet

Arzneisparpaket: Rösler punktet bei den Ärzten

Schreiben Sie dem Autor:
helmut.laschet@aerztezeitung.de

Dies dürfte eine der wenigen erfreulichen Botschaft in der gegenwärtigen Krisenzeit sein: Ärzte können damit rechnen, dass der Gesetzgeber in Kürze ärgerliche und überflüssige bürokratische Zöpfe abschneidet.

Das gilt für die unsägliche Bonus-Malus-Regelung wie auch für das Zweitmeinungs-Verfahren bei der Arzneiverordnung. Darauf zu verzichten, wird dem Gesetzgeber leicht fallen: Es kostet nichts, denn beide Reglements waren praktisch unwirksam. Der Effekt ist daher auch eher psychologischer Natur.

Anders sieht es mit der möglichen Ablösung der Richtgrößenprüfungen aus. Den Ärzten soll die Verantwortung für die Auswahl von Arzneimitteln unter Preisgesichtspunkten genommen werden. Medizinische Aspekte rücken nun in den Vordergrund.

Ob es damit zu einem Prüfinstrumentarium kommt, das für den Praxisalltag tauglich ist und die Erfordernisse einer patientengerechten Versorgung erfüllt, ist schlussendlich von den KVen und Kassenverbänden abhängig, die die neuen Vorgaben umsetzen müssen. Ein Desaster wie bei der Honorarreform darf sich nicht wiederholen.

Fundamental verändern werden sich hingegen die Rahmenbedingungen für die innovativen Arzneimittelhersteller. Der GKV-Markt bleibt zwar für neue Medikamente prinzipiell offen, aber die Preisautonomie der Hersteller ist bei nahezu jeder Konstellation dahin. Das gilt auch für innovative Solisten.

Für alle Neueinführungen, auch die mit einem therapeutischen Zusatznutzen, werden die Hersteller in Verhandlungen mit der Monopol-Körperschaft GKV-Spitzenverband gezwungen. Bei Nichteinigung entscheidet ein Schiedsamt. Das ist Korporatismus pur. Die FDP hat damit ihre Grundüberzeugungen von Pluralismus, Wettbewerb und Freiheit zugunsten parastaatlicher Einheitslösungen über Bord geworfen. Was der SPD-Ministerin Ulla Schmidt - fälschlich - vorgeworfen wurde, führt ihr liberaler Nachfolger Philipp Rösler in der Arzneimittelversorgung ein: Staatsmedizin.

Denn die Option auf Risksharing- und MehrwertVerträge ist in der ordnungspolitischen Konzeption des Gesundheitsministers nur eine Alibi-Veranstaltung.

Schreiben Sie dem Autor: helmut.laschet@aerztezeitung.de

Lesen Sie dazu auch:
Arzneipaket: KBV sieht Rösler auf dem rechten Weg
Auf den Preis gucken - bald nicht mehr nötig
Jede Arznei-Innovation muss künftig durchs Nadelöhr der Nutzenbewertung
Generika-Hersteller sehen sich noch stärker in der Zange

Lesen Sie dazu auch den Standpunkt:
Arzneisparpaket: Rösler punktet bei den Ärzten

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Borderline und Psychosen "heilen" mit Antiepileptika

Manche psychisch Kranken brauchen keine Neuroleptika, sondern Antikonvulsiva. Tauchen im EEG bestimmte Muster auf, ist das ein Hinweis auf eine paraepileptische Psychose. mehr »

Epilepsierisiko nach Sepsis erhöht

Überleben Patienten eine Sepsis, ist die Gefahr epileptischer Anfälle in den folgenden Jahren vier- bis fünffach erhöht. mehr »

PKV muss für unverheiratete Paare zahlen

Nach Überzeugung des Oberlandesgerichts (OLG) Karlsruhe ist die Beschränkung der Kostenerstattung für eine künstliche Befruchtung auf Ehepaare in der PKV unzulässig. mehr »