Direkt zum Inhaltsbereich

Arzneisparpaket: Rösler punktet bei den Ärzten

Helmut LaschetVon Helmut Laschet Veröffentlicht:

Schreiben Sie dem Autor: helmut.laschet@aerztezeitung.de

Dies dürfte eine der wenigen erfreulichen Botschaft in der gegenwärtigen Krisenzeit sein: Ärzte können damit rechnen, dass der Gesetzgeber in Kürze ärgerliche und überflüssige bürokratische Zöpfe abschneidet.

Das gilt für die unsägliche Bonus-Malus-Regelung wie auch für das Zweitmeinungs-Verfahren bei der Arzneiverordnung. Darauf zu verzichten, wird dem Gesetzgeber leicht fallen: Es kostet nichts, denn beide Reglements waren praktisch unwirksam. Der Effekt ist daher auch eher psychologischer Natur.

Anders sieht es mit der möglichen Ablösung der Richtgrößenprüfungen aus. Den Ärzten soll die Verantwortung für die Auswahl von Arzneimitteln unter Preisgesichtspunkten genommen werden. Medizinische Aspekte rücken nun in den Vordergrund.

Ob es damit zu einem Prüfinstrumentarium kommt, das für den Praxisalltag tauglich ist und die Erfordernisse einer patientengerechten Versorgung erfüllt, ist schlussendlich von den KVen und Kassenverbänden abhängig, die die neuen Vorgaben umsetzen müssen. Ein Desaster wie bei der Honorarreform darf sich nicht wiederholen.

Fundamental verändern werden sich hingegen die Rahmenbedingungen für die innovativen Arzneimittelhersteller. Der GKV-Markt bleibt zwar für neue Medikamente prinzipiell offen, aber die Preisautonomie der Hersteller ist bei nahezu jeder Konstellation dahin. Das gilt auch für innovative Solisten.

Für alle Neueinführungen, auch die mit einem therapeutischen Zusatznutzen, werden die Hersteller in Verhandlungen mit der Monopol-Körperschaft GKV-Spitzenverband gezwungen. Bei Nichteinigung entscheidet ein Schiedsamt. Das ist Korporatismus pur. Die FDP hat damit ihre Grundüberzeugungen von Pluralismus, Wettbewerb und Freiheit zugunsten parastaatlicher Einheitslösungen über Bord geworfen. Was der SPD-Ministerin Ulla Schmidt - fälschlich - vorgeworfen wurde, führt ihr liberaler Nachfolger Philipp Rösler in der Arzneimittelversorgung ein: Staatsmedizin.

Denn die Option auf Risksharing- und MehrwertVerträge ist in der ordnungspolitischen Konzeption des Gesundheitsministers nur eine Alibi-Veranstaltung.

Schreiben Sie dem Autor: helmut.laschet@aerztezeitung.de

Lesen Sie dazu auch: Arzneipaket: KBV sieht Rösler auf dem rechten Weg Auf den Preis gucken - bald nicht mehr nötig Jede Arznei-Innovation muss künftig durchs Nadelöhr der Nutzenbewertung Generika-Hersteller sehen sich noch stärker in der Zange

Lesen Sie dazu auch den Standpunkt: Arzneisparpaket: Rösler punktet bei den Ärzten

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Nationale Politik an Europas Gesundheitszielen ausrichten

© quantic69 | iStock

Politische Perspektive

Nationale Politik an Europas Gesundheitszielen ausrichten

Anzeige | CSL Behring GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
AMNOG-Verfahren: Plädoyer für ein Update

© Springer Medizin Verlag GmbH

AMNOG-Verfahren: Plädoyer für ein Update

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kasuistik

Atypische Stirnfalten: Wo kommen sie her?

Tipps von KI-Expertin

So hilft Künstliche Intelligenz den MFA im Praxisalltag

Lesetipps
Eine Puppe liegt dreckig auf dem Boden.

© fotogeng / stock.adobe.com

Dissoziation

Umgang mit Trauma und PTBS: Was kann die Hausarztpraxis leisten?

Wenn das Bindegewebe im Becken an Spannung verliert oder geschädigt wird, droht ein Descensus genitalis. Wichtig sind Aufklärung und Beratung der betroffenen Frauen.

© H_Ko / Stock.adobe.com

Genitalsenkung

Descensus genitalis: Aktualisierte Empfehlungen auf S3-Niveau