Ärzte Zeitung online, 11.10.2013

Arzneimittel

Sechs Ursachen für Geldverschwendung

Knapp sieben Prozent der Gesundheitsausgaben ließen sich sparen, würden Arzneimittel von Ärzten und Patienten optimal eingesetzt. Das hat ein Marktforschungsunternehmen errechnet.

Von Helmut Laschet

Sechs Ursachen für Geldverschwendung

Eine Geldverschwendung im Zusammenhang mit dem Einsatz von Arzneimitteln hat IMS Health angeprangert.

© blickwinkel / imago

FRANKFURT. Jenseits von Zwangsrabatten und Rabattverträgen könnte durch einen effizienten Einsatz von Arzneimittel etwa 19 Milliarden Euro an Gesundheitskosten eingespart werden. Das sind etwa 6,7 Prozent.

In einer weltweiten Analyse hat das Marktforschungsunternehmen IMS Health die wesentlichen Störfaktoren für eine effiziente Arzneimittelversorgung identifiziert und damit eine Debatte mit Kostenträgern und staatlichen Institutionen angestoßen, wie jenseits konventioneller Kostendämpfungsinstrumente die Gesundheitsversorgung effizienter gestaltet werden kann.

IMS: Geldverschwendung hat sechs Ursachen

Sechs Ursachen hat IMS ausfindig gemacht, die zur Verschwendung im Gesundheitssystem führen:

› Mangelnde Therapietreue der Patienten führt zu einem Verlust von 12,9 Milliarden Euro.

› Ein verzögerter Therapiebeginn kostet weitere 1,6 Milliarden Euro.

› Übermäßiger oder falscher Einsatz von Antibiotika schlägt mit rund 1,6 Milliarden Euro zu Buche.

› Fehlerhafter Einsatz von Arzneimitteln, zum Beispiel falsche Indikationsstellungen, kostet etwa 1,8 Milliarden Euro.

› Mit nur 300 Millionen Euro wird der suboptimale Einsatz von Generika für Deutschland als relativ gering eingeschätzt.

› Missmanagement im Zusammenhang mit Polymedikation kostet etwa eine Milliarde Euro.

Bis zu 90 Prozent der Krankenhauseinweisung vermeidbar

Die Analyse von IMS Health kommt zu ähnlichen Ergebnissen wie Überlegungen des Sachverständigenrates für das Gesundheitswesen, der bereits vor Jahren darauf hingewiesen hatte, dass Strategien gegen fehlende Persistenz und Compliance, weit mehr Einsparungen als konventionelle Kostendämpfungsinstrumente bringen.

Der Weg dahin ist aber offenbar mühsam, von der jeweiligen Indikation und Patientengruppe und der Komplexität der Versorgung abhängig.

Pilotprojekte, etwa in der Asthmatherapie, zeigen aber, dass Erfolge möglich sind: Die Herausforderung bei Asthma ist die korrekte Verwendung von inhalierten Arzneimitteln.

Bis zu 90 Prozent der Krankenhauseinweisungen sind vermeidbar, wenn Patienten gut geschult sind, regelmäßig bei der ambulanten Therapie begleitet und konsistent behandelt werden.

In einem Projekt, das in Hamburg entwickelt wurde, wurden Apotheker geschult, eine Koordination zwischen Apothekern und Ärzten aufgebaut, die ihrerseits in Patientenschulungen mündete und schließlich eine Überprüfung der Medikamenteneinnahme ermöglichte.

Das Ergebnis: Binnen zwölf Monaten besserte sich die Therapietreue um sechs Prozent, die Häufigkeit schwerer Asthmaanfälle konnte um 15 Prozent reduziert werden.

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