Ärzte Zeitung, 30.10.2013
 

Triptane

Bundesrat lehnt Wechsel in den Freiverkauf ab

BERLIN. Der Gesundheitsausschuss des Bundesrats ist dagegen, die Wirkstoffe Sumatriptan und Zolmitriptan unter bestimmten Voraussetzungen von der Verschreibungspflicht freizustellen.

Das Bundesgesundheitsministerium war mit seinem Verordnungsentwurf dem Votum des Sachverständigenausschusses für Verschreibungspflicht gefolgt. Der Gesundheitsausschuss bezeichnet in seiner Empfehlung an das Bundesratsplenum die Vorschläge als "nicht umsetzbar".

Bei Gesamtbetrachtung der sieben Triptane seien die Regelungen "nicht mehr zu überblicken", Fehleinschätzungen in der Praxis "programmiert".

Zwei Triptane auch als OTC erhältlich

Bislang sind zwei der sieben zugelassenen Vertreter dieser Wirkstoffklasse - Naratriptan und Almotriptan - auch in OTC-Versionen erhältlich.

Sumatriptan sollte nach dem Willen des BMG in oraler und nasaler Form, Zolmitriptan nur in oraler Form auch mit eng gefassten Maßgaben frei verkäuflich sein.

Zusätzlich sieht der Verordnungsentwurf umfangreiche Angaben zu Kontraindikationen und Warnhinweisen vor.

Dies zeigt nach Ansicht des Bundesrats-Ausschusses, dass die Wirkstoffe die Gesundheit "auch bei bestimmungsgemäßen Gebrauch (...) gefährden können, wenn sie ohne ärztliche Überwachung angewendet werden".

Zudem sei auch die Arzneiverschreibungs-Verordnung "kein Instrument zur Festlegung von Angaben der Packungsbeilage und der Fachinformation. Sie wird dadurch unlesbar."

Im Haftungsfall müsste der Apotheker zudem belegen, dass er sich erkundigt hat, ob die Anwendung des Triptons unter Beobachtung eines Arztes erfolgt. Die erforderliche Kontaktaufnahme sei aber nicht möglich, weil wegen der Rezeptfreiheit auch keine Verordnung vorliegt.

BAH: Nicht nachvollziehbar

Der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) nannte die Argumente des Bundesrats "in keiner Weise nachvollziehbar".

Die Erfahrungen mit den beiden frei verkäuflichen Triptanen zeigten, dass die Selbstmedikation "wirksam und sicher möglich ist", so der BAH.

Zudem sei es nicht ungewöhnlich, dass innerhalb einer Wirkstoffklasse einige Wirkstoffe verschreibungsfrei, andere hingegen nur auf Rezept erhältlich sind.

Eine solche Regelung "sollte sowohl durch die Angehörigen der Fachkreise als auch die Patienten beherrschbar sein". (fst)

[30.10.2013, 18:15:37]
Tom Jeffrey Lohmann 
Richtige Entscheidung
Als Arzt und selbstbetroffener von Migräne bin ich froh, das der Bundesausschuss so entschieden hat. Als Arzt weiß ich was die Migräne schon an Komplikationen mit sich bringen kann, auch schon deswegen, weil sie sich im Laufe eines Lebens in ihrer Charakteristik bei jedem einzelnen ändert und trotzdem - die Migräne - bleibt. Mit den Triptanen ist schon ein wesentlicher Fortschritt gelungen in der Behandlung, da ich selbst auch noch in den "Genuss" gekommen bin, die Ergotamine zum Migräneanfall und als Prophylaxe genommen haben zu dürfen. Aber die Nebenwirkungen sind deswegen nicht unerheblicher geworden, geschweige denn die Wechselwirkungen. Von den Menschen die heute Medikamente nehmen (müssen), bleibt es oft nicht bei einem, der Durchschnitt hat wohl eher 2-3 Medikamente am Tag. Da die Migräne nun aber auch gerne in Folge ihres langen Bestehens auch mit depressiven Erkrankungen einhergeht und nicht wenige SSRI/SNRI einnehmen, ist es PFLICHT nicht nur aufzuklären, sondern jene Pat. auch in und unter ärztlicher Behandlung/Kontrolle zu wissen. Im Freiverkauf besteht diesbezüglich keine Kontrolle mehr, der Pat. kann Ihnen sonst irgendeine Geschichte erzählen, die Selbstmedikationsrate ist deutlich höher als Statistiken sicherlich ausweisen, und wer von den Pat. versteht zu 100% was da im Beipackzettel steht und gemeint ist? Es ist nicht die Aufgabe des Apothekers den Käufer über alle NW und WW aufzuklären, da werden die ja nie fertig. Zu mal es auch viele Menschen gibt, die denken sie hätte eine Migräne, dabei ist es keine. Allerdings andersrum sieht es auch nicht besser aus. Wer kommt dann für den "eventuellen Schaden" auf? Die Pharmaindustrie? Aus Erfahrung mit Sicherheit nicht! Und den Pat. allein kann man diese Verantwortung auch nicht aufbürden.

Was ebenso problematisch bleibt, sind die Preise. Sie können einem Migränepatienten nicht zumuten, diese Preise selbstbezahlen zu müssen. Dann können sie damit rechnen, das der Absatz sinken wird, damit würde sich die Pharmaindustrie ein Eigentor schießen. Eine Packung mit 18 Schmelztabletten Rizatriptan 10 mg kostet gute 180 Euro. Dann ist es aber auch sinnvoll wieder mal zu wechseln, denn auch hier lässt die Wirkung irgendwann nach. Besonderes Augenmerk ist auch auf die HWZ zulegen, die mit kurzer wirken bei Pat. mit Migräne die 1-3 Tage anhält nicht und ein Wiederauftreten ist vorprogrammiert. Wie viele von den OTCs haben diese Eigenschaft? Es wäre auch eine gegensätzliche Richtung zur Beschränkung von freiverkäuflichen Analgetika, die wie PCM erst vor einiger Zeit auf 3000 mg pro Tag beschränkt worden und in der Überlegung ist sie wieder verschreibungspflichtig zu machen und das aus missbräuchlichen Gründen. Wie viel mg an einem Triptan ist notwendig sich ins Jenseits zu schießen??? Dann können wir ja Metamizol auch als OTC freigeben.

Und schlussendlich, die Krankenkassen nicht zu vergessen, die dann kommt und sagt, nehmen sie doch erst einmal die nicht verschreibungspflichtigen Triptane zur Behandlung, um sich von ihren Kosten zu entledigen. Wieder eine bürokratische Hürde die der Pat. dann zunehmen hat, da er und der Arzt begründen müssen, warum gerade diese nicht gehen. zum Beitrag »

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