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Kommentar zur fehlenden Antibiotika-Therapie-Strategie

Ein föderaler Flickenteppich

Helmut LaschetVon Helmut Laschet Veröffentlicht:

Eigentlich hätte schon mit der Novellierung des Infektionsschutzgesetzes 2011 klar sein müssen, dass die Zunahme von Antibiotika-Resistenzen zu einem ernsten Problem für eine sichere Gesundheitsversorgung werden kann.

Spätestens mit der Aufnahme dieses Themas auf die Tagesordnung des G7-Gipfels der führenden Industrienationen im Juni und bei der Folgekonferenz der G7-Gesundheitsminister mit der Weltgesundheitsorganisation und der OECD im September in Berlin hat die Sorge, dass wir in ein post-antibiotisches Zeitalter schlittern, eine Prominenz erreicht, dass sich Ärzte und ihre Organisationen mit hoher Priorität um Problemlösungen kümmern müssten.

Es reicht nicht aus, verbale Postulate und Behauptungen in die Welt zu setzen, wie die Bundesärztekammer dies anlässlich des G7-Gipfels getan hat: "Nur wenn wir jetzt handeln, können wir eine Zunahme von nicht beherrschbaren Antibiotika-Resistenzen verhindern", so BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery.

Und wie handeln die Ärzteschaft und ihre Organisationen? Die "Ärzte Zeitung" hat bei den Kassenärztlichen Vereinigungen nachgefragt, die die Hauptverantwortung für die Sicherstellung der ambulanten Versorgung tragen - auch qualitativ.

Das Ergebnis ist, gelinde gesagt, ernüchternd. Es existiert keine Strategie. Es gibt einen föderalen Flickenteppich von Ansätzen, auf eine rationale Antibiotikatherapie hinzuwirken. Ganz überwiegend verlassen sich KVen darauf, dass Ärzte selbst ausreichend Eigeninitiative ergreifen und sich, etwa in Pharmakotherapiezirkeln, mit der Antibiotika-Problematik auseinandersetzen.

Was derzeit nicht gelingt und in einem föderalen Gesundheitswesen auch schwierig zu realisieren ist: Einen funktionierenden Transmissionsriemen in Gang zu setzen, der die Erkenntnisse von der Expertenebene etwa des RKI oder der Arzneimittelkommission systematisch auf die Versorgungsebene in die Praxis transferiert.

In einem System, in dem die Versorgung letztendlich auf dem Verantwortungsbewusstsein der freiberuflichen Leistungsträger Ärzte basiert, existieren keine Befehlsstränge. Und sie lassen sich auch nicht installieren. Alle Vorteile dieses Systems - Freiheit, Flexibilität und persönliche Verantwortung - würden damit aufgegeben.

Was aber derzeit ebenfalls fehlt, das ist eine verbindliche Verständigung von Wissenschaftsinstitutionen wie etwa dem Robert Koch-Institut und der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft einerseits und dem KV-System andererseits über wesentliche Inhalte einer Antibiotika-Strategie. Einschließlich deren Operationalisierung bis zur einzelnen Praxis. In einzelnen KVen sind dazu erste Schritte sichtbar. Doch das reicht nicht.

Lesen Sie dazu auch: Rationale Antibiotika-Therapie?: Jede KV kocht ihr eigenes Süppchen

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