Ärzte Zeitung online, 10.11.2018

Medienbericht

Spahn will unseriöse Heilmethoden verbieten

Mit einem neuen Gesetz plant Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Frischzell-Anwendungen und anderen gefährlichen Heilmethoden einen Riegel vorzuschieben.

Spahn will unseriöse Heilmethoden verbieten

Frischzellen werden häufig zum Anti-Aging oder zur Stärkung der körpereigenen Immunabwehr angeboten.

© Eisenhans / stock.adobe.com (Symbolbild)

BERLIN. Einem aktuellen Bericht in der „Süddeutschen Zeitung“ (online) vom Freitag zufolge will Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit neuen gesetzlichen Regelungen künftig gegen gefährliche Therapien und Behandlungspraktiken vorgehen.

Nach ersten Informationen aus Regierungskreisen liegt dabei der Fokus unter anderem auf Herstellung, Verkauf und Anwendung von Extrakten aus tierischen Organen, meist von Schafen. Sie werden häufig als Frischzellen-Therapie zum Anti-Aging oder zur Stärkung der körpereigenen Immunabwehr angeboten. Ärzte und Heilpraktiker, die dies anbieten, stellen dazu die Präparate in der Regel selbst her.

In Fachkreisen ist die Anwendung allerdings wegen möglicher Risiken wie schweren Infektionen und fehlendem Wirksamkeitsbeleg schon seit längerem sehr umstritten. Ein entsprechendes gemeinsames Gutachten von Paul Ehrlich-Institut und BfArM zu Frischzellen und xenogenen Organextrakten unterstreicht dies.

„Patienten müssen sicher sein können, dass ihnen Arzneimittel nicht schaden“, wird Spahn dazu jetzt in der SZ zitiert. Geplant sei daher, das Arzneimittelgesetz entsprechend zu ändern.

Dazu werde in Kürze ein Referentenentwurf vorgestellt werden. Alle Bundesländer seien mittlerweile auch einhellig dafür, diese Art von Behandlungen zu verbieten, hieß es dazu auf tagesschau.de.

Umstrittene Therapie mit Frischzellen

Spahn setzt mit seinem Vorhaben offenbar an der Kritik an, dass Angehörige nichtärztlicher Heilberufe, etwa Heilpraktiker, aber auch bestimmte Privatkliniken, immer wieder durch Anwendung fragwürdiger selbsthergestellter Arzneien Patienten in Gefahr bringen.

Vereinzelt sind Gerichte auch bereits gegen die Anwendung der umstrittenen Therapie mit Frischzellen eingeschritten. So untersagte im vergangenen Jahr etwa das Verwaltungsgericht (VG) Neustadt an der Weinstraße der „Villa Medica“ im rheinland-pfälzischen Edenkoben, die Therapie mit gefrorenen tierischen Frischzellen fortzuführen. Es handle sich dabei um ein „bedenkliches Arzneimittel“, so das Urteil (Az.: 5 K 903/16.NW).

Ein anderes Beispiel aus jüngster Vergangenheit: Ein Heilpraktiker aus Brüggen hatte Krebspatienten mit dem Wirkstoff 3-Bromopyruvat behandelt. Es kam zu Überdosierungen mit Todesfolge.

Die Staatsanwaltschaft Krefeld hat dazu im vergangenen April Anklage erhoben. Der Vorwurf: fahrlässiger Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz und fahrlässige Tötung in drei Fällen. (dpa)

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[12.11.2018, 14:46:43]
Rudolf Hege 
Lieber Antibiotika statt Globuli?
Von Frischzellen halte ich auch nicht viel. Es gibt allerdings überhaupt nur wenige HPs, die so etwas anbieten. In der Regel sind es Ärzte bzw. ärztlich geführte Kliniken. Da das Zeug recht teuer ist, wird es in der Regel vor allem von betuchten Leuten aus dem Ausland nachgefragt - und privat bezahlt. Ist also fraglich, ob die Volksgesundheit darunter leidet.
In Sachen "Globuli" fällt mir nur auf, dass die Hausärzte, die früher gerne homöopathische "Grippetropfen" verordneten, nun vermehrt Antibiotika rezeptieren. Der Patient will ja für sein Geld etwas bekommen - und nicht nur einen guten Rat. Wer Beschwerden hat, will Behandlung. Wenn eben keine Globuli/Tropfen (mehr), dann eben was anderes. Fragt sich, ob das der Volksgesundheit einen Dienst erweist. In der Praxis läuft eben vieles anders, als in der Uni. zum Beitrag »
[12.11.2018, 14:16:52]
Dr. Robert Künzel 
Sinnloser Aktionismus in einer globalisierten Welt
Sicherlich kann man über diese Behandlungen geteilter Meinung sein. Aber Verbote lösen das Problem nicht. Ein Blick auf den Weg kinderloser Paare durch die Institutionen zeigt doch eindrucksvoll, daß die hier beschlossenen Verbote bestimmter Therapien praktisch keine Wirkung entfalten, wenn der nächste Anbieter mit dem Billigflieger praktisch "ums Eck" liegt.
Man kann natürlich unter grossem Mediengetöse der Handvoll deutscher Anbieter die Geschäftsgrundlage entziehen, wer solche Therapien für sich wünscht wird über den hyperaktiven Gesundheitsminister nur lachen und schon mal auf dem nächsten Internetportal nach ausländischen Anbietern googeln. Ich kenne übrigens einen sehr rüstigen Patienten, der seit vielen Jahren in einer allgäuer Klinik zur Frischzellentherapie eincheckt und dem die Behandlung sichtlich wohltut. Placeboeffekt ? Mag sein, aber eine jahrzehntelang erlaubte Therapie gleich verbieten ? Da gibt es m.E. sowohl in der Medizin als auch sonst drängendere Probleme. Aber da die Chancen des umtriebigen Herrn Spahn auf höhere politische Ämter doch recht überschaubar zu sein scheinen ist wohl auch in Zukunft mit keinem anderen Gesundheitsminister zu rechnen. zum Beitrag »
[10.11.2018, 10:58:08]
Dr. Zlatko Prister 
endlich
es ist die höchste Zeit diese Scharlatane auszuschalten. Und gleich die Kügelchen mitverbieten.

MfG
Z.Prister
www.prister.de zum Beitrag »

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