Ärzte Zeitung, 04.07.2013

Kommentar

ZI-Rechnung mit Schönheitsfehlern

Von Helmut Laschet

Es wäre schön, wenn sich die Hoffnungen erfüllten, die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) mit seiner Studie zu den Potenzialen ambulanter Versorgung weckt.

Ein Teil der Lasten, die sich aus der steigenden Morbidität einer alternden Gesellschaft ergeben, könnten dann durch Verlagerungseffekte von der stationären in die ambulante Versorgung aufgefangen werden. Doch die Simulationsrechnung, die das ZI angestellt hat, hat einen Haken.

Um wirklich die Mehrausgaben zu senken - um zwei Milliarden Euro im Jahr 2020 und um vier Milliarden Euro im Jahr 2030 - müsste es gelingen, dass in der ganzen Republik jener Best-Practice-Standard eingeführt werden könnte, wie er jetzt für 21 Landkreise und kreisfreie Städte vom ZI identifiziert worden ist.

Diese Regionen haben ganz überwiegend eine überdurchschnittliche Arztdichte, es handelt sich durchweg um attraktive, wirtschaftlich gesunde Regionen mit einer guten Infrastruktur.

Überwiegend verzeichnen diese Regionen Wanderungsgewinne - entgegen dem generellen Trend wächst hier die Bevölkerung, während sie in den ländlichen Regionen schrumpft. Diese Bedingungen beeinflussen das Niederlassungsverhalten möglicherweise stärker als bezahlbare Honoraranreize.

Einsparpotenziale bleiben wohl ein Traum

Das heißt aber auch: Selbst beim besten Willen wird es angesichts zur Verfügung stehender gesetzlicher und ökonomischer Mittel nicht gelingen, überall einen Best Practice-Standard zu verwirklichen. Damit dürften auch die vom ZI errechneten Einsparpotenziale durch eine Intensivierung der ambulanten Medizin ein Traum bleiben.

Ungeachtet dessen ist die Studie dennoch wertvoll. Nachdem der Gesetzgeber den Krankenkassen mit dem Wettbewerbsstärkungsgesetz von 2007 den Großteil des Morbiditätsanstiegs aufgebürdet hat, dem Grundsatz nach also der Mehr-Leistung auch eine Mehr-Vergütung folgen muss, setzen die Krankenkassen auf eine neue Strategie, und zwar für stationäre und ambulante Versorgung gleichermaßen: Steif und fest wird die These vertreten, in Deutschland existierten Überkapazitäten.

Festgemacht wird das an einigen wenigen Interventionen, deren Häufigkeit beeindruckend steigt. Doch der Pars-pro-Toto-Schluss der Kassen ist fragwürdig. Und das Ziel durchsichtig: zu sparen an Kosten, die vermieden werden, weil es keine personellen Ressourcen gibt. Kein Arzt, keine Leistung, keine Kosten.

Diesem Nihilismus setzt das KBV-Institut eine Strategie entgegen, die konstruktiv ist. Selbst wenn es nicht gelingt, zu hundert Prozent Best Practice zu realisieren, so ist zumindest die Zielrichtung, möglichst viel Effizienz durch eine starke ambulante Versorgung zu gewinnen, richtig.

Lesen Sie dazu auch:
ZI: Hohe Arztdichte spart Geld

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