Benutzen Klinikketten MVZ als "Saugrüssel" für neue Patienten?

HAMBURG (di). Im Wahlkampf werden Medizinische Versorgungszentren zu Schreckgespenstern, die Versorgungswüsten erzeugen - selbst in Metropolen wie der Hansestadt Hamburg.

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Das Thema MVZ schlug in Hamburg schon immer hohe Wellen. Im Wahlkampf sorgt das für seltsame Allianzen. Ärzte und FDP, aber auch die Linke lehnen die Expansion von Kapitalgesellschaften und Klinikketten im ambulanten Bereich ab.

Für Allgemeinärztin Silke Lüder sind Klinik-MVZ ein "Saugrüssel" für neue stationäre Patienten. Zugleich sorgten MVZ dafür, dass selbstständige Ärzte nach und nach aus der ambulanten Versorgung verschwinden und Platz machen für kapitalkräftige Investoren. Lüder war auf einer Podiumsdiskussion mehrerer Ärzteverbände nicht allein mit ihren Befürchtungen. Patienten, Ärzte und FDP-Politiker beschrieben eine düstere Zukunft, wenn sich mittelfristig wenige Kapitalgesellschaften die ambulante Versorgung im Oligopol aufteilen und dann die Preise bestimmen. Der einzelne niedergelassene Arzt habe gar nicht den finanziellen Atem, um als Konkurrent gegen Konzerne zu bestehen.

Die Folgen beschrieb Lüder aus ihrem Stadtteil Bergedorf, wo die Klinikkette Asklepios nach ihren Angaben vier Arztsitze aufgekauft und damit den Patienten längere Wartezeiten beschert habe. Auch das in Hamburg umstrittene Atriomed nannte sie als Beispiel für die Verlagerung von Arztsitzen - und gab damit eine Steilvorlage für den Politiker der Linken, Jan van Aken. Um "Versorgungswüsten" zu verhindern, so van Aken, sollten MVZ verpflichtet werden, die aufgekauften Arztsitze nur in unmittelbarer Umgebung der bisherigen Arzttätigkeit weiter zu führen.

Ausgerechnet Hamburg, die Stadt mit der höchsten Arztdichte, als Beispiel für Versorgungswüsten? Nicht nur Dr. Michael Späth von der KV hielt diese These für abenteuerlich. Auch Dr. Thomas Grabenkamp (SPD) und Krista Sager (Grüne) mahnten beim Thema MVZ Sachlichkeit an. Laut Grabenkamp gibt es derzeit 36 MVZ in der Hansestadt, von denen die Hälfte in Klinikhand ist. Insgesamt beschäftigen die Zentren rund 150 Ärzte - von über 3000 ambulant tätigen insgesamt in der Stadt.

Asklepios sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Dr. Hans-Martin Stubbe, Geschäftsführer der Asklepios MVZ Nord, verwies auf die freiwillige Selbstverpflichtungserklärung, die das Unternehmen für die Gründung von MVZ abgegeben hat. Darin sagt das Unternehmen zu, das medizinische Angebot wohnortnah zu erhalten, sich nicht auf bestimmte Stadtteile zu fokussieren und die Verlegung von Arztsitzen aus bestimmten Stadtteilen zu vermeiden.

Die Funktion als Saugrüssel versuchte er mit einer Zahl zu entkräften: Die Asklepios-MVZ in Hamburg überweisen nach seinen Angaben mehr als Dreiviertel ihrer Patienten in Krankenhäuser anderer Klinikträger, obwohl Asklepios einen sehr hohen Marktanteil in der stationären Versorgung aufweist.

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