Ärzte Zeitung, 13.07.2010

Nach Protesten herrscht jetzt Katerstimmung

Die Initiative "Schulterschluss" machte vergangenes Jahr mit Protestaktionen auf sich aufmerksam. Inzwischen kommen immer weniger Teilnehmer zu Veranstaltungen.

Von Dirk Schnack

KIEL. Ärzte in Kiel sind an einem Schulterschluss mit anderen Gesundheitsberufen nicht interessiert - dieser Eindruck drängt sich derzeit im Norden auf. Gemeinsame Aktionen werden von den Medizinern ignoriert.

"Wir sind sehr betroffen und fühlen uns von Ihnen im Regen stehen gelassen", beschreibt die Initiatorin Sabine Petersen den Eindruck ihrer Mitstreiter in der "Initiative Schulterschluss", die sich nach eigenen Angaben für ein menschliches Gesundheitssystem engagiert, "in dem niedergelassene Ärzte nicht als Buhmänner und Abzocker der Nation dargestellt werden".

"Wir klären Patienten und Versicherte darüber auf, wie dieses verschlungene System (nicht) funktioniert, an welchen Stellen das viele Geld in unlautere Taschen fließt, dass im Grunde nur ein fester Zusammenhang zwischen Ärzten und Patienten eine Gewähr für ordentliche Behandlung bietet", beschreibt Petersen die Ziele von der Initiative Schulterschluss. Die Initiative machte im vergangenen Jahr bundesweit Schlagzeilen: Bei einem Protestzug vor den Landtag in Kiel lieferten sie hunderte gelbe Karten zur Gesundheitspolitik ab.

Von Seiten der Ärzte im Norden spürt Petersen derzeit kaum noch Interesse am Schulterschluss. Auf Veranstaltungen der Initiative wurden Ärzte zunehmend rarer. "Bis auf einen Kollegen lässt sich keiner bei uns blicken, zeigt keiner auch nur ein Hauch von Interesse", berichtet Petersen. Sie fragt sich, ob dies mit den aktuellen Machtverhältnissen in Berlin zusammenhängt: "Hat sich mit dem FDP-Arzt im Gesundheitsministerium wirklich soviel verändert?"

Ein darauf angesprochener Praxischef aus dem Kieler Ärztenetz gab dazu an, von den Veranstaltungen schlicht nichts gewusst zu haben. Petersen hofft, die Ärzte zurück gewinnen zu können, denn ohne sie ist nach Ansicht der Psychotherapeutin "eine richtig kraftvolle Bewegung nicht möglich".

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