Ärzte Zeitung, 01.11.2010

Interview

"Wir haben in Abstimmung mit Hausärzten Lücken gefüllt"

Bosch BKK-Vorstand Bernhard Mohr sieht Patientenbegleiter als ein Erfolgsmodell.

"Wir haben in Abstimmung mit Hausärzten Lücken gefüllt"

Bosch BKK-Vorstand Bernhard Mohr: "Wir müssen in die Abläufe der Versorgung eingebunden sein."

© BKK

Ärzte Zeitung: Die Bosch BKK hat zunächst im Rahmen eines Integrationsvertrags erste Ansätze einer hausarztzentrierten Versorgung erprobt. Was war dabei für Sie die leitende Idee?

Bernhard Mohr: Uns war klar, dass eine Refinanzierung nur möglich ist, wenn wir in die Abläufe der Versorgung eingebunden sind: Welches Pflegebett wird geliefert, welche Hilfe kann ein Angehöriger leisten, wo muss ein Pflegedienst tätig werden? Wir haben sozusagen in enger Abstimmung mit Hausärzten Lücken gefüllt, die die Ärzte selbst nicht stopfen konnten. Das hat sich zu einem Selbstläufer entwickelt. Heute kommt es vor, dass Hausärzte bei uns anrufen und Patientenbegleiter gleich zu Hausbesuchen mitnehmen.

Ärzte Zeitung: Wie sind Patientenbegleiter qualifiziert?

Mohr: Die Begleiter kommen aus ganz unterschiedlichen Berufshintergründen. Darunter sind beispielsweise Krankenschwestern, Sozialpädagogen, Sozialversicherungsangestellte. Für diese Mitarbeiter haben wir ein eigenes Weiterqualifizierungsprogramm mit Unterstützung der Pflegeschule des Robert-Bosch-Krankenhauses aufgelegt.

Ärzte Zeitung: Wie können Patientenbegleiter zu den erhofften Einsparungen beitragen?

Mohr: Nehmen wir an, ein Badelifter wird von einem Sanitätshaus in den Haushalt eines pflegebedürftigen Versicherten geliefert. Vor Ort stellt der Patientenbegleiter in Absprache mit der Familie fest: Der Badelifter hilft dem Patienten nicht, es braucht andere Lösungen. Im Normalfall würde das Hilfsmittel im Keller verstauben - bei uns nicht.

Die Fragen stellte Florian Staeck.

Lesen Sie dazu auch den Bericht:
Patientenbegleiter: Scharnier zwischen Arzt und chronisch Kranken

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Fehldiagnose lässt "Thrombophilie"-Patientin zittern

Bei einer Frau mit Venenthrombose wurde eine Thrombophilie-Diagnostik vorgenommen. Der Verdacht erhärtete sich und bescherte ihr angstvolle Wochen. mehr »

Schärfe und Säure kurbeln das Immunsystem an

Was wir essen, beeinflusst maßgeblich, wie gut die Immunabwehr im Speichel funktioniert. Das haben Münchener Forscher untersucht. mehr »

Was tun gegen sexuelle Belästigung?

Anzügliche Bemerkungen, obszöne Witze, schlüpfrige Mails bis hin zu Berührungen: Sexuelle Aufdringlichkeit gehört auch in Praxen und Kliniken manchmal zum Alltag. Statt die Belästigungen zu ignorieren, sollten sich Betroffene wehren - dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. mehr »