Ärzte Zeitung, 10.01.2011

Kommentar

Grausamkeit vor unserer Haustür

Von Ilse Schlingensiepen

Es ist ein unvorstellbares Leid, das Mädchen und jungen Frauen mit der Genitalbeschneidung angetan wird. In Ländern wie dem Sudan oder Somalia ist fast jede Frau von diesem Schicksal betroffen.

Doch das Drama spielt sich nicht nur in Afrika ab, sondern auch vor unserer Haustür. Allein in NRW leben 5600 Frauen oder Mädchen, die eine Genitalverstümmelung erlitten haben oder von ihr bedroht sind. Davor darf niemand die Augen verschließen.

Wer als Arzt oder in einer anderen Funktion mit dem Thema konfrontiert wird, ist entsetzt, sprachlos und hilflos. Im Umgang mit den Opfern dominiert häufig die Angst, etwas falsch zu machen oder religiöse und kulturelle Gefühle zu verletzen. Die Angst ist verständlich, sie darf aber nicht zum Nichtstun führen.

Die betroffenen Frauen und Mädchen sind dringend auf Hilfe angewiesen. Deshalb ist das telefonische Beratungsangebot der Düsseldorfer Beratungsstelle "Stop Mutilation" eine wichtige Initiative.

Sie bietet sowohl den Betroffenen Unterstützung, als auch Ärzten und anderen, die mit den Frauen und Mädchen Kontakt haben. Jeder kann dazu beitragen, wenigstens denjenigen, die hier leben, weiteres Leid zu ersparen.

Lesen Sie dazu auch den Bericht:
Eine Hotline gegen Genitalbeschneidung

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Spahn bringt TSVG im Kabinett auf den Weg

13.25 hDas Kabinett hat heute Morgen den Entwurf des TSVG durchgewunken – mit einigen Änderungen – auch zugunsten der Ärzte. mehr »

Viele falsche Vorstellungen, was Krebs verursacht

Stress, Handystrahlen und Trinken aus Plastikflaschen lösen Krebs aus, denken viele fälschlicherweise. Die wahren Risikofaktoren kennt nur jeder Zweite, so eine Studie. mehr »

Die übersehene Speiseröhren-Entzündung

Lange glaubte man, die eosinophile Ösophagitis komme nur selten vor. Inzwischen zeigt sich: Es gibt immer mehr Patienten mit dieser chronischen Entzündung der Speiseröhre. mehr »