Ärzte Zeitung, 30.10.2011

Kommentar

Gesetz gegen Kinderschutz

Von Rebecca Beerheide

Es ist einmal wieder ein typisches Gesetz aus dem Hause der Familienministerin Kristina Schröder: Gut gemeint, aber leider nicht gut gemacht. Um Fälle von Kindesmisshandlungen zu verhindern, sollen Familienhebammen auch Monate nach der Geburt Problemfamilien unterstützen.

Kinderärzte sollen sich mit dem Jugendamt austauschen, wenn sie Auffälligkeiten bemerken. Doch statt Probleme zu lösen, bringt das neue Gesetz nur neue Unklarheiten.

Denn für Ärzte ändert sich nichts, für sie bleibt das Dilemma: Ist das Kind in der Praxis verhaltensauffällig, weil es irritiert ist von der Untersuchung? Oder ist das Verhältnis zwischen Eltern und Kind gestört? Spricht ein Arzt das an, wechseln Problemeltern für die nächste U-Vorsorge die Praxis.

Bei Notfällen gehen sie in Klinikambulanzen. Kommunikation zwischen den Ärzten bleibt so auf der Strecke - eine mögliche Misshandlung unentdeckt.

Es wäre für das Gesetz wichtig gewesen, genau diesen Kommunikationskanal zwischen Ärzten und Jugendämtern zu verbessern. Doch dafür hätte das Gesundheitsministerium beim Gesetz beteiligt werden müssen.

Diesem Konflikt ist Kristina Schröder aus dem Weg gegangen - zum Leid der Kinder.

Lesen Sie dazu auch:
Pädiater lehnen Kinderschutzgesetz ab

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

App sorgt für weniger Tage mit Migräne

Bei Einsatz einer Migräne-App lassen sich Kopfschmerztage merklich reduzieren – und zwar um rund 25 Prozent. Das geht aus einer Studie der Schmerzklinik Kiel und der TK hervor. mehr »

Die Zukunft gehört der sensorischen Zuckermessung

Die Zeiten, in denen sich Diabetiker zur Blutzuckermessung in den Finger stechen müssen, sind wohl bald vorbei. Sensor-Messsysteme bringen neue Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen. mehr »

Mehr ASS für schwere Patienten?

Allen Patienten dieselbe ASS-Dosis zu verordnen, scheint in der kardiovaskulären Prävention keine optimale Lösung zu sein. Es könnte sich lohnen, die Dosis an das Körpergewicht anzupassen, um verschiedene Risiken zu minimieren. mehr »