Ärzte Zeitung, 29.01.2012

Kommentar

Gelockerte Innovationsbremse

Von Hauke Gerlof

Die gesetzliche Krankenversicherung bewegt sich wie ein Tanker: Die Richtung zu ändern kann sehr lange dauern. Das bekommen die Praxisnetze zu spüren, die teilweise nach einigen Jahren Erfahrung in Selektivverträgen durchaus evaluierte Erfolge vorweisen können.

Doch Gelegenheit zu beweisen, dass diese Erfolge auch unter anderen regionalen und personellen Konstellationen als in Nürnberg, im Kinzigtal oder in anderen Leuchtturmprojekten dieser Art möglich sind, bekommen diese Innovatoren kaum. Die Kassen zögern, neue Verträge abzuschließen, sie testen, fahren neue Pilotprojekte und evaluieren weiter.

Der vorsichtige Umgang mit Versichertengeldern ist ja durchaus zu verstehen. Die innovativsten der Netze, die letztlich nichts anderes als mittelständische Unternehmen mit niedergelassenen Ärzten als Gesellschafter sind, werden dadurch aber ausgebremst mit ihren Ideen, die Versorgung zu verbessern und gleichzeitig die Kosten zu senken.

Insofern kommt die Neuregelung für Netze über das GKV-Versorgungsstrukturgesetz gerade rechtzeitig. Sollte sich dann zeigen, dass die anerkannten Netze gute Arbeit leisten und Folgekosten wie Klinikeinweisungen verringern, dann sollten die Zusatzhonorare dafür nicht allein aus der gedeckelten Gesamtvergütung fließen - auf Kosten der Kollegen, die nicht in Netzen arbeiten.

Die KVen sollten allerdings dafür sorgen, dass Erfolge der Netze nicht nur den Kassen zugute kommen, auf Kosten der Ärzte außerhalb der Netze.

Lesen Sie dazu auch:
Netzärzten winken Zusatzhonorare

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[30.01.2012, 08:14:22]
Claudia Schrewe 
Balance gehalten
Die Presse ist gehalten, ausgewogen zu berichten. Gelungen, Herr Gerlof, einfach gelungen. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Mikroben – Heimliche Heiler

Jede zweite Zelle in und auf uns gehört einer Mikrobe. Durch die erfolgreiche Behandlung mit fäkalen Mikrobiota, etwa bei Autismus, hat die Mikrobiomforschung an Fahrt gewonnen. mehr »

Junge Besucher waren "Verjüngerungskur für DGIM"

Die "Ärzte Zeitung" hat den letzten DGIM-Kongresstag mit der Kamera begleitet. Tagungspräsident Sieber hat uns dabei Rede und Antwort gestanden - und erzählt, was ihn in den Tagen begeistert hat. mehr »

628 Kliniken soll Geld gestrichen werden

Hunderte Krankenhäuser sollen nach einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses keinen Zuschlag mehr für die Notfallversorgung erhalten. mehr »