Ärzte Zeitung, 25.03.2012

Kommentar

Wohltuende Offenheit

Von Dirk Schnack

Manche Schlagzeile über Abrechnungsmanipulation im Gesundheitswesen erweckte in der Vergangenheit den Eindruck, als sei dies gängige Praxis und ganze Berufsgruppen infiziert von Gier. Oft genug haben Kassen zu diesem Eindruck beigetragen oder wenig getan, das Bild von vermeintlich raffgierigen Heilberufen gerade zu rücken.

Eine aktuelle Mitteilung des Ersatzkassenverbandes Schleswig-Holstein hebt sich wohltuend davon ab. Eine Auswertung von 2011 ergab, dass sich bei der Hälfte von ohnehin nur 84 Verdachtsfällen eine Vertragsverletzung bestätigt hatte. Zahl der beteiligten Vertragsärzte: null.

Es ist guter Stil, dass der Verband dies auch deutlich sagt und die wenigen Verstöße schwarzen Schafen zurechnet.

Dabei muss man bedenken, dass jede Äußerung zur Abrechnungsmanipulation für die Kassen ein Balanceakt ist: Ein Herunterspielen des Problems könnte nämlich schnell den falschen Eindruck erwecken, es handele sich um Kavaliersdelikte. Das ist falsch.

Das Aufdecken von Abrechnungsmanipulationen im Gesundheitswesen ist und bleibt im Interesse aller, vor allem der Patienten und der Leistungserbringer. Jedes aufgedeckte Fehlverhalten kann zur Transparenz beitragen - wenn es so sachlich an die Öffentlichkeit transportiert wie jetzt vom Ersatzkassenverband im Norden.

Lesen Sie dazu auch:
Im Norden fast kein Abrechnungsbetrug mehr

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