Ärzte Zeitung, 24.05.2012

Mehr Erreger sollen ins Gesetz

Multiresistenten Keimen den Garaus machen - mit dem geänderten Infektionsschutzgesetz sollte das besser gelingen. Doch die Politik bringt sich selbst um den Erfolg, sagen jetzt sogar FDP-Politiker.

Noch mehr Infektionsschutz soll ins Gesetz

E.coli und K.pneumoniae: Auch sie sollen verstärkt ins Visier genommen werden.

© Klaus Rose

BERLIN (sun). Die Hygiene-Skandale in Kliniken reißen nicht ab: Die FDP-Politiker Lars Lindemann und Jens Ackermann haben daher die Regierung aufgefordert, beim Infektionsschutzgesetz noch einmal bei der Prävention nachzubessern.

Das geht aus einem Änderungsantrag zum zweiten Gesetz zur Änderung arzneimittelrechtlicher und anderer Vorschriften (AMG-Novelle) hervor, der der "Ärzte Zeitung" vorliegt.

Die Novelle des Infektionsschutzgesetz ist am 4. August 2011 in Kraft getreten. Darin ist geregelt, dass ambulant tätige Ärzte für ein Screening auf multiresistente Erreger eine Vergütung erhalten.

Allerdings ist diese Vergütung auf MRSA-Stämme beschränkt. Aus Sicht Lindemanns ist das jedoch nicht ausreichend: "Wir bringen uns mit der jetzigen Regelung selbst um den Erfolg", sagte er der "Ärzte Zeitung".

Beschränkung des Screenings nicht gerechtfertigt

Daher sollte auch das Screening für multiresistente Erreger wie Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE), Escherichia coli und Klebsiella-Stämme ausgeweitet werden, fordert er.

Diese Keime breiteten sich in Klinik und Praxis aus und könnten auf andere Patienten übertragen werden, wenn die Betroffenen verlegt werden, heißt es in dem Änderungsantrag. Damit würden Dritte gefährdet, warnen die FDP-Politiker.

Es sei also nicht zu rechtfertigen, dass die Vergütungsregelung für das Screening auf nur eine hochgefährliche Bakterienart eingeschränkt sei.

Schätzungen des Robert Koch-Instituts zufolge gibt es jährlich in Deutschland etwa 64.000 nosokomiale Infektionen in Intensivabteilungen. Rund 14.000 Intensivpatienten sterben jedes Jahr an den Folgen der Infektion.

[27.07.2012, 11:25:35]
Dr. Horst Grünwoldt 
Infektions-Prävention
Potentiell oder opportunistisch krankmachende Bakterien können sich auch in Hospitälern nicht ausbreiten, sondern werden bekanntlich auf unhygienische Art ggf. verschleppt und auf "Nährböden" ,wie Unfall- oder Operations-Wunden, verschmiert und können sich dort erst als Infektions-Dosis vermehren.
Wegen der ständig ablaufenden Mutations-Rate bei sich rasant teilenden Mikroorganismen, werden wir immer wieder zufällig entstandene, genetisch veränderte Keime entdecken, deren virulente Eigenschaften nicht in jedem Fall zunehmen, sondern durchaus auch reziprok verlaufen kann. Und vermutlich sogar in der Mehrzahl der Spontan-Mutationen!

Insofern dürfte die Liste der aufzunehmenden potentiell pathogenen Bakterien immer länger werden. Sie sollte sich deshalb schon auf die "etablierten" Keime beschränken, die unter unhygienischen Umständen auch pathogen sein können. Jedenfalls sollte es keine Auswahl durch Politiker dafür geben...
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (FTA für Hygiene und Mikrobiologie) aus Rostock zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Welche Reformen sind dringend notwendig?

Bürgerversicherung, Regressrisiko, GOÄ: Unsere Leser haben abgestimmt, welche Themen in der Gesundheitspolitik die nächste Bundesregierung unbedingt anpacken sollte. mehr »

Patienten sollen für Infos zahlen

Patienten und Angehörige sind bei beratungsintensiven Erkrankungen häufig hilflos. Viele Akteure versuchen, neutrale Angebote im Internet bereitzustellen. Ein Biologe will nun Beteiligte auf einer Plattform zusammenführen. mehr »