Ärzte Zeitung, 24.06.2013
 

Facharzt-EBM

Internisten üben Kritik

Nicht alle Fachärzte finden sich in der EBM-Reform ausreichend berücksichtigt.

BERLIN. Auf verhaltene Zustimmung und Kritik stößt der neue Facharzt-EBM. Dies wurde in der Folge der Sondersitzung der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung am Freitag deutlich.

Die Einführung einer Fachärztlichen Grundpauschale (PFG) ist für den Vorstandsvorsitzenden der KV Nordrhein, den Facharzt Dr. Peter Potthoff, ein "Fortschritt und guter Beginn einer Entwicklung, mehr aber nicht". Potthoff begrüßt die Anerkennung einiger Facharztgruppen auch als Grundversorger.

Die Pauschale werde zwar keine Praxis retten, es gebe damit aber endlich eine besondere Förderung der fachärztlichen Grundversorgung, sagte Potthoff der "Ärzte Zeitung".

Bis dato habe es Geld immer nur für neue Leistungen gegeben, die immer bei den Spezialisten angesiedelt waren. Den Grundversorgern sei lediglich die Steigerung der Grundlohnsumme geblieben.

Spreizung soll unterschiedlich hohe Fallzahlen widerspiegeln

Die fachärztlichen Internisten ohne Schwerpunkt sollen jetzt doch von der Pauschale profitieren. Die Höhe der Pauschale soll von Fachgruppe zu Fachgruppe variieren.

Sie reicht von 1,30 Euro für die Hautärzte bis zu 15,90 Euro für die ärztlichen und die psychologischen Psychotherapeuten.

Die Spreizung soll unter anderem die unterschiedlich hohen Fallzahlen der Fachgruppen widerspiegeln.

Wie bei den Haus- soll es auch bei den Fachärzten Ausschlussleistungen geben, die über die Abrechenbarkeit der Pauschale entscheiden. Dabei soll jeweils der einzelne Fall betrachtet werden.

Innere Medizin wieder ausgeschlossen

Kritisch unter die Lupe nimmt der Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen (BNG) die Kriterien der KBV.

So sollten ursprünglich konservativ und betreuungsintensiv arbeitende fachärztliche Grundversorger besonders gefördert werden, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes vom Freitag.

Davon sei die fachärztliche Innere Medizin jedoch wieder ausgeschlossen worden. Nach Definituion der Kassen und der KBV seien Internisten also jnicht konservativ tätig.

Es drohe eine Verschlechterung der Versorgung von Patienten mit chronisch entzündlichen Darm- oder Lebererkrankungen, beklagen die Gastroenterologen.

Die niedergelassenen Kardiologen (BNK) fühlen sich ebenfalls zurückgesetzt. Sie übernähmen seit jeher Aufgaben der Grundversorgung zum Beispiel bei Patienten mit Herzinsuffizienz.

Auch die vom BNK vorgesehenen Brustschmerzambulanzen seien gute Beispiele für Grundversorgung. (iss, sun, fst, ger, af)

Lesen Sie dazu auch:
Hausarzt-EBM: Rechenbeispiele beunruhigen die KVen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gegen Husten taugen Medikamente wenig

Abwarten und Tee trinken, mehr wollen US-Experten gegen erkältungsbedingten Husten nicht empfehlen. Allenfalls etwas Honig bei Kindern halten sie noch für geeignet. mehr »

Erst krebskrank, dann Hypertoniker

Überlebende von Krebserkrankungen in der Kindheit tragen ein erhöhtes Hypertonierisiko: Im Alter von 50 Jahren sind 70 Prozent betroffen. mehr »

Macht das Stadtleben krank?

Stadtluft kann Schizophrenie begünstigen, glauben Wissenschaftler. Ein Chefarzt der Charité fordert deshalb eine Public-Mental-Health-Strategie für urbane Räume. mehr »