Ärzte Zeitung online, 26.10.2016

Wahl in Bremen: Konflikt um Add-on-Verträge schwelt weiter

Anders als in anderen KVen findet in Bremen und Bremerhaven die Wahl zur Vertreterversammlung losgelöst von der Vorstandswahl statt. Bis 2. November wählen die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten ihre neue VV.

Von Christian Beneker

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Ärzte in Bremen haben die Wahl... und einen schwelenden Konflikt.

© pico / fotolia.com

BREMEN. Ab Mittwoch wählen die Niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten in Bremen und Bremerhaven ihre neue Vertreterversammlung. Die Führungsspitze mit dem Dermatologen Dr. Jörg Hermann und dem Juristen Günter Scherer bleibt auf jeden Fall im Amt.

Denn in Bremen hat man die KV-Wahl und die Wahl des Vorstandes entkoppelt. So kommt es erst 2019 zur Vorstandsneuwahl an der Weser. Derzeit sitzen acht Hausärzte und zwölf Fachärzte in der 20-köpfigen VV in Bremen.

Hermann sieht die Bilanz der KV positiv: "Wir verzeichnen seit 2010 einen Honoraranstieg in der zurückliegenden Legislaturperiode um 17,6 Prozent auf 432,3 Millionen Euro Gesamtvergütung im Jahr 2015." Auch habe die KVHB in der Vergangenheit keine große Summen bereinigen müssen, sagt Hermann.

Angstellte Ärzte auf eigener Liste

Zwei Neuigkeiten zeigen sich im Bremer Wahlkampf. Erstmals kandidieren angestellte Ärzte auf einer eigenen Liste. Listenführer und Augenarzt Michael Langholz meint, das Thema der Angestellten-"Tarife" werde Thema in der VV werden.

Langholz: "Die KV vertritt sowohl Mitglieder, die Arbeitgeber, als auch solche, die Arbeitnehmer sind. Sie kann weder Arbeitgeberverband noch Gewerkschaft sein. Hier gilt es, einen intelligenten und kollegialen Weg der Verständigung zu finden."

Ebenfalls neu: Die Psychotherapeuten treten auf zwei Listen an. Aber inhaltliche Kontroversen können selbst die Kandidaten kaum ausmachen, wie Alfred Hovestadt von der Liste "Psychodynamische Verfahren" sagt. Karl Heinz Schrömgens ("Gemeinsam für Psychotherapie") meint: "Wir wollen unsere verschiedenen Verbände mehr betonen."

Tatsächlich treten die Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie und die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung gegeneinander an.

Wabernder Konflikt

Allerdings schwelt der Konflikt um die hausarztzentrierte Versorgung zwischen den beiden Bremer Hausarztlagern weiter. So laufen Add-on-Verträge und Vollverträge nebeneinander und zum Teil mit den selben Kassen. So haben hkk und die AOK Add-on-Verträge geschlossen und mit dem Hausärzteverband Vollverträge.

Für die KV-Beteiligung steht bei der Wahl die neue Hausarztliste um ihren Spitzenkandidaten, den Allgemeinarzt Dr. Thomas Liebsch. "Wir wollen nicht, dass Ärzte und Patienten über die Hausarztverträge aus dem KV-Verbund herausgelöst werden", begründet Liebsch die Add-on-Entscheidung.

Die Fraktion des Hausärzteverbandes dagegen wirft der KV "Blockadehaltung" vor. Das tut jedenfalls Spitzenkandidat Holger Schelp: "Dabei bietet die HäVG Europreise und einfache Abrechnung."

Umstritten in der vergangenen Legislatur: Der Umzug der Bereitschaftsdienstpraxis Bremen Stadt. Weil man sich am Klinikum Mitte (KBM) schlecht aufgenommen fühlte, brach die KV nach kontroverser Diskussion in der VV am KBM ihre Zelte ab und zog ins St. Joseph Stift.

Ein voller Erfolg, meint Liebsch. Die Praxis verzeichnet einen 15-prozentigen Anstieg, sodass weiteres Geld an die Ärzte ausgeschüttet werden soll. Allerdings hat die Praxis die Notaufnahme des Stifts nicht entlastet, räumt Hermann ein. "Die Fallzahlen steigen gemeinsam."

Das Haus ist bestellt

Bei der Sicherstellung sieht der KV-Chef keine "objektiven Probleme". In der Tat ist etwa bei den Allgemeinpraxen das Haus bestellt. In Bremen Stadt liegt der Schnitt bei einem Versorgungsgrad von mehr als 110 Prozent.

In Bremerhaven liegt er aktuell bei 102 Prozent. Denn es lassen sich dort drei neue Hausärzte nieder – auch dank der je 60.000 Euro Investitionskosten-Zuschläge der KV und der Umsatzgarantien.

Allerdings moniert mancher Hausarzt, dass sich viele Ärzte in Bremen inzwischen etwa in MVZ zusammenschließen. Die Folge: Der Einzelversorger um die Ecke fehlt. Die Patienten in manchen Stadtteilen müssen schon weit fahren, warnt Hausarzt Schelp.

Dass sich die neue VV aber kleinere Zulassungsbezirke schafft, ist unwahrscheinlich. "Selbst bei den Kinder- und Jugend-Psychiatern, die in Bremerhaven einen Versorgungsgrad von 50 Prozent haben und in Bremen von 200 Prozent, würden kleinere Zulassungsbezirke keine neuen Therapeuten bringen", sagt Hermann.

25 hausärztliche Weiterbildungsstellen werden gefördert und acht fachärztlich. "Das ist schon mal ein guter Aufschlag", sagt der Gynäkologe Dr. Christian Umlandt. Die Weiterbilder erhalten in Bremen monatlich 4800 Euro zur Hälfte von den Kassen zur Hälfte von der KV. Auf diesem Weg müsse die neue VV weitergehen, sagt Umlandt.

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