Ärzte Zeitung online, 05.03.2018

Debatte um Zwei-Klassen-Medizin

Patienten mit Wartezeiten zufrieden

Mitten in der Diskussion um eine Ungleichbehandlung von Kassen- und Privatpatienten bei Arztterminen präsentiert das Arztbewertungsportal jameda eine Analyse, die zeigt: Mit der Wartezeit sind die Patienten in Deutschland zufrieden.

Patienten mit Wartezeiten zufrieden

Am 11. Februar gehts zum Arzt.

© Yantra / stock.adobe.com

MÜNCHEN. Überlange Wartezeiten auf Arzttermine zählen zu den Dauerbrennern im gesundheitspolitischen Debattengeschehen Zuletzt kochte die Diskussion wieder hoch, nachdem der designierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gefordert hatte, dass privat und gesetzlich Versicherte in Zukunft gleich schnell einen Termin bekommen müssten.

Einer regelmäßigen Auswertung des Portalbetreibers Jameda zufolge sind die Deutschen, was die Terminvergabe betrifft, mit ihren Ärzten allerdings nach wie vor ziemlich zufrieden. Das aktuelle "Patientenbarometer" ermittelt für die Terminvergabe über sämtliche betrachtete Arztguppen hinweg einen Schnitt von 1,82 (gemäß Schulnotenskala).

"Demnach bewerten Patienten die Wartezeit auf einen Arzttermin 2017 genau wie im Vorjahr", so Jameda.

Für das jüngste "Patientenbarometer" wurden Durchschnittsnoten gebildet aus fast 157.000 Arztbewertungen auf jameda.de der zurückliegenden vier Jahre. Die Auswertung ist nicht bevölkerungsrepräsentativ.

Am besten schneidet derzeit die zahnärztliche Terminvergabe mit einem Notenschnitt von 1,46 ab. Auf dem letzten Platz (10) rangieren die Dermatologen (2,36). Allgemeinmediziner liegen mit 1,85 nur geringfügig unter dem Durchschnitt.

Berücksichtigt wurden für die Auswertungen laut jameda die Facharztgruppen Allgemeinmediziner, Hausärzte, Augenärzte, Dermatologen, Frauenärzte, Gastroenterologen, HNO-Ärzte, Padiäter, Orthopäden, Urologen und Zahnärzte.

Zufriedenere Privatpatienten

Privatpatienten seien mit der Terminvergabe etwas zufriedener als Kassenpatienten. Aus den Bewertungen der Privatpatienten ließ sich über sämtliche Fachgruppen hinweg der Notenschnitt 1,57 errechnen, bei den Kassenpatienten beträgt der Notenschnitt für die Terminvergabe 1,87.

Gerade angesichts der Debatte um eine "Zwei-Klassen-Medizin" ist es interessant, dass der Unterschied marginal ausfällt. Das Ergebnis gießt Wasser auf die Mühlen der Ärzte. Die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) wies am Freitag die "Scheindebatte um eine angebliche Zwei-Klassen-Medizin und um postulierte Terminungerechtigkeit als realitätsfern und unsachlich" zurück.

Lediglich bei der Zahnarzt-Bewertung unterscheiden sich die Durchschnittswerte je nach Versichertenstatus nurmehr noch marginal: 1,47 der Schnitt aus Bewertungen von GKV-Patienten, 1,45 der Schnitt von PKV-Patienten.

"Dies lässt vermuten, dass man bei Zahnärzten unabhängig von der Krankenversicherung fast gleichlang auf einen Termin wartet", so Jameda.

Auch an der Gesamtzufriedenheit der Bundesbürger mit den Niedergelassenen habe sich 2017 wenig geändert, heißt es. Hier lag der Notenschnitt zuletzt bei 1,75 (Hausärzte 1,79). Im Vorjahr 2016 sei er mit 1,73 nur wenig besser ausgefallen. (cw/ths)

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