Ärzte Zeitung online, 23.11.2018

Psychotherapeuten

Ausbildung auf Kosten der Arzttöpfe?

Der SpiFa fürchtet, dass die Neuausrichtung der Psychotherapeutenausbildung die niedergelassenen Ärzte gleich mehrfach belastet.

BERLIN. Die Reform der Psychotherapeutenausbildung sorgt erneut für Unmut in der Ärzteschaft: Wie der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) berichtet, soll noch im Dezember ein Referentenentwurf vorgelegt werden, über den „ein neuartiges psychologisches Versorgungssystem“ umgesetzt werden solle.

Keinesfalls handele es sich um eine „Direktausbildung Psychotherapie“, so der Verband. Es solle vielmehr in zwei Stufen ein Psychologe unterhalb des Niveaus eines heutigen klinischen Psychologen ausgebildet und auf der Grundlage von drei Semestern Lehrinhalten eines Masterstudiums heilkundlich approbiert werden. „Er soll explizit keine Psychotherapie durchführen können, aber flächendeckend überall tätig werden können“, moniert der Verband.

Vorbei an der Öffentlichkeit

Was dem SpiFa aber vielmehr aufstößt: Es gebe Hinweise, dass der Entwurf zügig durch den parlamentarischen Beratungsprozess gebracht werden soll, noch fehle dazu aber ein Meinungsbildungsprozess in der Fachöffentlichkeit.

„Wir sind um die Auswirkungen auf das KV-System besorgt“, sagt SpiFa-Hauptgeschäftsführer Lars F. Lindemann. Dabei stört sich der Verband auch daran, dass aus seiner Sicht die niedergelassenen Haus- und Fachärzte über die Morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (MGV) künftig zur Finanzierung der Weiterbildung von Psychologen herangezogen werden sollen.

GMK hatte Entwurf eingefordert

Dabei kommt es nicht ganz überraschend, dass ein Referentenentwurf ins Haus steht. Denn im Juni hatte die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) das Bundesgesundheitsministerium per Beschluss aufgefordert, zügig einen Gesetzentwurf vorzulegen, um die Ausbildung zum Psychotherapeuten strukturell den anderen akademischen Heilberufen anzupassen. Dabei sprach sie sich ausdrücklich auch für die Fachweiterbildung nach dem Studium aus.

Der SpiFa fordert nun, dass der Einfluss des Gesetzentwurfs auf die ärztliche Muster-Weiterbildungsordnung juristisch bewertet werden solle. Bereits der 121. Deutsche Ärztetag hatte im Mai in Erfurt die Reform, die eine Analogie zum Medizinstudium samt Weiterbildung vorsieht, abgelehnt, da die Delegierten die Einführung eines Parallelberufes zum Arzt fürchteten. Dagegen liefen gleich vier große Psychotherapeutenverbände Sturm (wir berichteten). (reh)

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