Ärzte Zeitung online, 20.12.2018

Mindestsprechstunden

Stichelei des Spitzenverbands

Kommentar von Wolfgang van den Bergh

vdb

Schreiben Sie dem Autor vdb@springer.com

Der GKV-Spitzenverband lässt nicht locker: Vize-Chef Johann Magnus von Stackelberg gießt fleißig Öl ins Feuer der Diskussion um Sprechstundenzeiten. Der Vorwurf: mangelnde Flexibilität der Ärzte. Krankheiten richteten sich nicht nach deren Lieblingsöffnungszeiten.

Von Stackelberg bezieht sich dabei auf eine Forsa-Umfrage, die bereits vor einer Woche Thema war, aber wohl aus Sicht des GKV-Spitzenverbandes nicht das gewünschte Echo gefunden hat. Heute legen die Kassen nach, um zu unterstreichen, dass die geplante extrabudgetäre Vergütung für zusätzliche Sprechzeiten, wie sie im neuen Terminservice- und Versorgungsgesetz vorgesehen ist, verdient sein will. Oder steckt mehr dahinter – womöglich ein Angriff auf die Freiberuflichkeit? Angestellte Ärzte, hübsch organisiert in einem MVZ, sind möglicherweise leichter zu steuern. Wollen das die Kassen?

Ein junger Arzt, der seine Weiterbildung absolviert hat und vor der Entscheidung steht: Freiberufler oder Angestellter, hat auf ein solches Theater sicherlich keine Lust – und schon gar nicht als „Kassenarzt“.

Herr von Stackelberg, ein Freund klarer Worte, langt gegen Ende seiner aktiven Zeit noch einmal kräftig zu, offenbar ohne den Kollateralschaden zu bedenken.

Lesen Sie dazu auch:
GKV-Spitzenverband: Krankenkassen für mehr Sprechstunden abends und am Samstag

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[21.12.2018, 01:28:10]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Spitzenverband Bund (SpiBu) der Gesetzlichen Krankenkassen fordert "Sozialverträgliches Frühableben" von Vertragsärzten?
Der Vize-Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands Bund der Gesetzlichen Krankenkassen und gelernte Betriebswirt (Uni Köln), Freiherr Johann-Magnus von Stackelberg, gibt der Deutschen Presse-Agentur ein Interview: So weit, so gut.

Aber ist das jetzt eine private Meinungsäußerung, außerhalb seiner vertraglichen Dienstzeit, die sowieso in etwa 6 Monaten enden wird? Und ist ihm wenigstens bewusst, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gesetzlichen Krankenkassen als Sozialversicherungs-Fachangestellte eine tariflich vereinbarte 39-Stunden-Woche genießen.

Und sollen die Forderungen nach grenzenloser Mehrarbeit der freiberuflich tätigen ca. 172.000 Vertragsärzte und -Vertragspsychotherapeuten zur Sicherstellung der ambulanten ärztlichen/psychotherapeutischen Versorgung etwa deren "Sozialverträgliches Frühableben" befördern, damit die GKV Mittel, Material und Menschen "einsparen" kann?

Meine wöchentliche Gesamt-Arbeitszeit liegt bei 35 offiziellen Wochensprechstunden-Zeiten plus deren Vor- und Nachlauf inklusive einer Sprechstunde Donnerstags von 11 bis 20 Uhr seit Praxisgründung als Haus- und Familienarzt bzw. Facharzt für Allgemeinmedizin 1992 in der Dortmunder City schon immer bei deutlich über 50 Stunden pro Woche. Die Mittwochs-Hausbesuchs-Tour geht wie gestern oft bis 15 Uhr und fließt in diese Berechnungen nicht mit ein, weil es auch mal ruhigere Tage gibt.

Und dann, mit Verlaub, kommt auch noch ein alternder, studierter Betriebswirtschaftler her, um mir meine Betriebsorganisation, in der selbstverständlich Privat- und Kassenpatienten gleich behandelt werden, umzukrempeln? Vielleicht noch mit Extra-Eingang, Extra-Wartezimmer und Extra-Zeiten? Wieviel weitere Privilegien hätten's denn gern, Herr von Stackelberg?

Ganz ehrlich, Sie können doch froh sein, dass wir diese ganze Kärrnerarbeit überhaupt noch machen und Ihnen nicht alles vor die Füße werfen. Stattdessen konfabulieren Sie: "Krankheiten richteten sich nicht nach Lieblingsöffnungszeiten", offensichtlich ohne über den geregelten ambulanten vertragsärztlichen Notdienst (ZND) an 365 Tagen im Jahr informiert zu sein? Und kommen Sie mir da bloß nicht mit Trennung von Kasse und Privat im ZND. Das hätte uns gerade noch gefehlt!

Unterdessen schlage ich vor, dass alle Kollegen/-innen und ich Ihnen ein persönliches Foto unserer Praxisschilder per E-Mail schicken an: 
kontakt@gkv-spitzenverband.de

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »

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