Ärzte Zeitung, 06.02.2012

Spaniens Abtreibungsrecht verschärft

Minderjährige sollen Eltern wieder über einen Schwangerschaftsabbruch informieren müssen.

Spaniens Abtreibungsrecht verschärft

Ungewollt schwanger? In Spanien sollen Minderjährige vor einem Abbruch künftig wieder ihre Eltern informieren müssen.

© alexander raths / shutterstock.com

MADRID (mame). Spaniens neue konservative Regierung wird das erst seit Juli 2010 liberalisierte Abtreibungsgesetz teilweise wieder außer Kraft setzen.

Die in Spanien zuvor geltende restriktive Indikationsregelung wurde von der sozialistischen Vorgänger regierung durch eine Fristenlösung ersetzt, welche Abtreibungen bis zur 14. Schwangerschaftswoche ohne Angabe von Gründen erlaubt.

Wie Justizminister Alberto Ruiz-Gallardon ankündigte, wolle die neue Regierung vor allem die Regelung rückgängig machen, nach der es in Spanien minderjährigen Mädchen ab 16 Jahren erlaubt ist, ohne Einverständnis ihrer Eltern die Schwangerschaft abbrechen zu lassen.

Abtreibung ohne Einverständnis bei 13 Prozent

Unterdessen gab die Vereinigung spanischer Abtreibungskliniken ACAI bekannt, dass rund 13 Prozent aller minderjährigen Mädchen zwischen 16 und 17 Jahren, die seit der Liberalisierung der Abtreibungsgesetze einen Abbruch haben vornehmen lassen, dies ohne das Einverständnis ihrer Eltern taten.

"Bei der Mehrheit handelte es sich um Mädchen aus ultrakatholischen Familien oder einem komplizierten familiären Umfeld mit Drogenproblemen", sagte ACAI-Präsident Santiago Barambio.

Nach der aktuellen Regelung müssen die Minderjährigen nicht einmal ihre Eltern über den Schwangerschaftsabbruch informieren, falls sie Gefahr laufen, Opfer familiärer Gewalt oder eines Familienausschlusses zu werden. Dennoch hätten sich 87 Prozent der insgesamt 1186 betroffenen Minderjährigen dazu entschlossen, ihre Eltern zu unterrichten.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verursacht Kiffen Psychosen?

Wer kifft, trägt ein erhöhtes Psychoserisiko. Ob dies am Konsum von Cannabis liegt, ist aber alles andere als klar. Eine aktuelle Studie liefert immerhin neue Indizien. mehr »

Resistenzen behindern Kampf gegen TB

Tuberkulose ist in Deutschland relativ selten - ganz eliminieren lässt sich die Infektionskrankheit aber noch immer nicht. Zu schaffen machen die Resistenzen. mehr »

Bluttest auf Brustkrebs keine Revolution

Ein Bluttest auf Brustkrebs komme noch dieses Jahr auf den Markt, verkündete vor kurzem die Uniklinik Heidelberg – und erntete dafür harsche Kritik. Nun rudert sie zurück. mehr »