Ärzte Zeitung, 07.08.2015

Kommentar zu Griechenland

Primärversorgung retten!

Von Jana Kötter

Im griechischen Gesundheitssystem fehlt es an allen Ecken und Enden: Stellen bleiben unbesetzt, Arzneimittel sind knapp, sogar Verbandsmaterial fehlt. Vor allem jedoch mangelt es an Kassenärzten.

Mediziner sind zwar zu Genüge im Land - doch sind sie vornehmlich privatärztlich oder in staatlichen Kliniken tätig. Griechenland hat es versäumt, ein funktionierendes Vertragsarztsystem aufzubauen: Rund 73 Vertragsärzte kommen hier auf 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: Deutschland zählt 177.

Im Gesundheitsministerium werden nun die - schon ausgelaufenen - Verträge zwischen Ärzten und staatlichem Gesundheitsträger EOPYY verhandelt. Ob und wann aber eine Einigung gefunden wird, ist fraglich.

Kassenärzte adé? Für das bereits angeschlagene Gesundheitssystem wäre das der Todesstoß - nicht nur, weil noch mehr Patienten in den ohnehin überfüllten Wartesälen der Kliniken anzutreffen wären.

Eine Reform kostet - das wohl größte Problem im hoch verschuldeten Land. Die Ausgaben für das öffentliche Gesundheitssystem sind seit 2009 um rund 50 Prozent geschrumpft.

Die Politik sollte sich daher Gedanken über Mischformen einer staatlichen Absicherung mit Eigenbeteiligung machen: Patienten zahlen eine Gebühr von zehn Euro, die Behandlung wird von EOPYY getragen? Vom Vertragsarztkonzept verabschieden sollte sich die Regierung aber auf keinen Fall, wenn sie die Primärversorgung retten will.

Lesen Sie dazu auch:
Kassenärzte beenden Teil-Ausstand

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wenn Komplementärmedizin für Krebskranke tödlich wird

Krebspatienten, die zusätzlich unbewiesene Heilverfahren nutzen, verschlechtern wohl ihre Überlebenschance. Die Erklärung ist nicht in der Komplementärmedizin selbst zu suchen. mehr »

Kurskorrektur in der Alzheimerforschung?

Offenbar entzieht sich das Gehirn bei Morbus Alzheimer dem Immunsystem. Checkpoint-Hemmer aus der Krebstherapie könnten dies verhindern. Bei Mäusen klappt das schon. mehr »

Carvedilol für alte Diabetiker? Besser nicht!

Erhalten pflegebedürftige Diabetiker nach Herzinfarkt einen "diabetikerfreundlichen" Betablocker, sinkt zwar die Gefahr von Hyperglykämien. Ins Krankenhaus müssen sie trotzdem häufiger. mehr »